Die digitale Welt bietet viele Möglichkeiten, birgt aber auch Risiken. Eines davon ist Sextortion, eine Form der sexuellen Erpressung, die junge Menschen besonders hart treffen kann. Dabei drohen Kriminelle mit der Veröffentlichung intimer Bilder oder Videos, um Geld oder weitere Aufnahmen zu erpressen. Als Digital-Redakteurin sehe ich täglich, wie schnell man in solche Fallen geraten kann.
- Sextortion ist sexuelle Erpressung im Internet, oft mit intimen Bildern oder Videos.
- Die Polizei rät dringend dazu, niemals auf Geldforderungen einzugehen.
- Sofort Beweise sichern: Screenshots des Chats, der Drohungen und der Profile.
- Erstatte Anzeige bei der örtlichen Polizei oder der Onlinewache deines Bundeslandes.
- Bei Minderjährigen greift §184c StGB, bei Veröffentlichung §201a StGB.
- Unterstützung und psychologische Hilfe findest du unter hilfe-portal-missbrauch.de.
Was ist Sextortion?
Sextortion ist ein Kofferwort aus den englischen Begriffen „sex“ und „extortion“ (Erpressung). Es bezeichnet eine Form der Erpressung, bei der Täter intime Fotos, Videos oder Chatverläufe als Druckmittel nutzen, um von ihren Opfern Geld oder weitere sexuelle Handlungen zu fordern. Die Täter drohen, dieses Material an Freunde, Familie oder in sozialen Netzwerken zu verbreiten, wenn die Forderungen nicht erfüllt werden. Laut der Polizei-Beratung ist Sextortion eine weit verbreitete Betrugsmasche im Internet (Stand: April 2026).
Wie Sextortion funktioniert: Die Masche der Täter

Die Täter gehen bei Sextortion oft nach einem ähnlichen Muster vor. Zuerst nehmen sie über Dating-Apps, soziale Medien oder Gaming-Plattformen Kontakt zu ihren potenziellen Opfern auf. Sie bauen Vertrauen auf, zeigen sich charmant und verführen die Opfer dazu, intime Fotos oder Videos von sich zu teilen oder in einem Videochat sexuelle Handlungen zu vollziehen. Oft geben sich die Täter als attraktive junge Frauen oder Männer aus, um ihre Opfer in Sicherheit zu wiegen. Sobald sie das Material haben, beginnt die Erpressung. Sie drohen mit der Veröffentlichung der Aufnahmen und fordern meist hohe Geldbeträge, oft per Kryptowährung oder über anonyme Zahlungsdienste. Diese Täter agieren häufig aus dem Ausland, was die Strafverfolgung erschwert.
Schritt 1: Auf keinen Fall zahlen!
Der wichtigste Rat bei Sextortion ist: Zahle niemals! Auch wenn der Druck enorm ist und die Angst vor einer Veröffentlichung lähmend wirkt, solltest du den Forderungen der Erpresser nicht nachkommen. Die Erfahrung zeigt, dass Zahlungen die Situation nur verschlimmern. Die Täter fordern nach einer ersten Zahlung meist immer mehr Geld oder weitere Aufnahmen, da sie wissen, dass ihr Opfer bereit ist, zu zahlen. Du gerätst in einen Teufelskreis, aus dem du nur schwer wieder herauskommst. Die Polizei bestätigt, dass die Erpresser in der Regel nicht aufhören, sobald sie Geld erhalten haben.
Schritt 2: Beweise sichern und den Kontakt abbrechen
Bevor du den Kontakt zu den Erpressern abbrichst, ist es entscheidend, alle Beweise zu sichern. Das ist für die spätere Anzeige bei der Polizei unerlässlich. Mache Screenshots von allen Chatverläufen, den Droh-Mails, den Profilen der Täter und den Links, die sie möglicherweise geschickt haben. Achte darauf, dass Datum und Uhrzeit auf den Screenshots sichtbar sind. Speichere diese Beweise an einem sicheren Ort, zum Beispiel auf einem USB-Stick oder einer externen Festplatte. Danach brichst du sofort jeden Kontakt zu den Erpressern ab. Blockiere sie auf allen Plattformen und deaktiviere vorübergehend deine Social-Media-Konten, um weitere Angriffe zu verhindern. Auch das Melden der Profile auf den jeweiligen Plattformen kann helfen, die Verbreitung des Materials zu stoppen. Mehr zum Thema Sicherheit im Netz findest du in unserem Artikel über SIM-Swap-Angriffe.
| Maßnahme | Details zur Umsetzung | Warum es wichtig ist |
|---|---|---|
| Nicht zahlen | Keine Überweisungen, Kryptozahlungen oder Gutscheine. | Zahlungen ermutigen Täter und führen zu weiteren Forderungen. |
| Beweise sichern | Screenshots von Chats, Profilen, Drohungen; Links speichern. | Grundlage für die polizeiliche Ermittlung. |
| Kontakt abbrechen | Alle Profile blockieren, Social Media deaktivieren. | Verhindert weitere Angriffe und Eskalation. |
| Anzeige erstatten | Online-Wache oder persönlich bei der Polizei. | Einleitung der Strafverfolgung, Opferschutz. |
Schritt 3: Anzeige bei der Polizei erstatten
Auch wenn es Überwindung kostet und du dich schämst: Erstatte Anzeige bei der Polizei. Sextortion ist eine Straftat, und die Polizei ist dein Verbündeter. Du kannst die Anzeige entweder persönlich bei jeder Polizeidienststelle oder über die Onlinewache deines Bundeslandes erstatten. Nimm alle gesicherten Beweise mit. Die Beamten sind darauf geschult, mit solchen Fällen umzugehen, und werden dich unterstützen. Es ist wichtig, dass du so detailliert wie möglich alle Informationen weitergibst, die du über die Täter hast, auch wenn sie noch so gering erscheinen. Je mehr Informationen die Ermittler haben, desto größer sind die Chancen, die Täter zu identifizieren und zur Rechenschaft zu ziehen. Auch wenn die Täter oft aus dem Ausland agieren, gibt es internationale Kooperationen, die eine Verfolgung ermöglichen können. Die Polizei hat auf ihrer Webseite polizei-beratung.de detaillierte Informationen und Ansprechpartner.
Rechtliche Grundlagen: Was das Gesetz sagt
Sextortion fällt unter verschiedene Straftatbestände des deutschen Strafgesetzbuches (StGB). Die Erpressung selbst ist nach § 253 StGB strafbar und kann mit einer Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren geahndet werden. Wenn es sich bei den Opfern um Minderjährige handelt, kommt § 184c StGB (Verbreitung, Erwerb und Besitz kinderpornographischer Schriften) ins Spiel, der deutlich höhere Strafen vorsieht. Die unbefugte Veröffentlichung von intimen Aufnahmen, auch wenn sie nicht explizit kinderpornographisch sind, kann nach § 201a StGB (Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen) geahndet werden. Dabei geht es um die Verletzung des Rechts am eigenen Bild und der sexuellen Selbstbestimmung, wie auch klicksafe.de betont. Es ist wichtig zu wissen, dass du als Opfer nicht allein bist und das Gesetz auf deiner Seite steht.
Psychologische Hilfe und Unterstützung
Die Erfahrung von Sextortion kann traumatisch sein und tiefe psychische Wunden hinterlassen. Scham, Angst, Hilflosigkeit und Wut sind normale Reaktionen. Es ist absolut wichtig, dass du dir in dieser Situation professionelle psychologische Hilfe suchst. Sprich mit Vertrauenspersonen wie Eltern, Freunden oder Lehrern. Wenn das nicht möglich ist oder nicht ausreicht, wende dich an Beratungsstellen. Das Hilfe-Portal Sexueller Missbrauch bietet bundesweit Unterstützung und vermittelt an lokale Anlaufstellen. Auch die Telefonseelsorge (0800 111 0 111) ist rund um die Uhr kostenlos erreichbar und bietet eine erste Anlaufstelle für Gespräche. Du musst diese Belastung nicht alleine tragen. Unterstützung gibt es auch bei der Verbraucherzentrale, die bei Fragen zu digitaler Kriminalität berät.
Prävention und Schutz: So schützt du dich vor Sextortion
Der beste Schutz vor Sextortion ist Prävention. Sei vorsichtig mit wem du online interagierst und welche Informationen du teilst. Hier sind einige wichtige Tipps:
- Keine intimen Inhalte teilen: Sende niemals Nacktbilder oder Videos von dir an Personen, die du nicht persönlich kennst und denen du nicht absolut vertraust. Bedenke, dass einmal geteilte Inhalte im Internet schwer zu kontrollieren sind.
- Identität prüfen: Sei skeptisch bei neuen Kontakten im Internet. Wenn jemand sehr schnell zu intimen Themen übergeht oder sich weigert, einen Videoanruf zu machen, bei dem das Gesicht sichtbar ist, sei misstrauisch. Täter nutzen oft Fake-Profile.
- Privatsphäre-Einstellungen nutzen: Schütze deine Profile in sozialen Medien. Stelle sicher, dass nur Freunde oder ausgewählte Personen deine Inhalte sehen können. Überprüfe regelmäßig deine Datenschutzeinstellungen.
- Webcam-Sicherheit: Achte darauf, dass deine Webcam abgedeckt ist, wenn du sie nicht aktiv nutzt. Kriminelle können versuchen, deine Kamera zu hacken, um heimlich Aufnahmen zu machen.
- Starke Passwörter: Nutze sichere und einzigartige Passwörter für alle deine Online-Konten. Aktiviere die Zwei-Faktor-Authentifizierung, wo immer es möglich ist, um deine Accounts besser zu schützen.
🛡️ Verbraucher-Check (Was bedeutet das für dich?)
Als junger Mensch bewegst du dich täglich im digitalen Raum, wo Bedrohungen wie Sextortion leider real sind. Der wichtigste Schutz ist dein eigenes Bewusstsein: Teile niemals intime Inhalte mit Unbekannten. Wenn du betroffen bist, ist schnelles und richtiges Handeln entscheidend: Nicht zahlen, Beweise sichern und sofort zur Polizei gehen. Scheue dich nicht, Hilfe in Anspruch zu nehmen – die Unterstützung ist da und du bist nicht allein. Die Verbraucherzentrale oder das Hilfe-Portal Sexueller Missbrauch bieten dir konkrete Anlaufstellen.
Häufige Fragen (FAQ)
Was ist der erste Schritt, wenn ich von Sextortion betroffen bin?
Der allererste und wichtigste Schritt ist, auf keinen Fall auf die Forderungen der Erpresser einzugehen und kein Geld zu zahlen. Täter nutzen die Angst der Opfer aus, um weitere Zahlungen oder Handlungen zu erzwingen. Eine Zahlung wird die Situation in der Regel nicht beenden, sondern nur verschlimmern. Brich den Kontakt sofort ab, nachdem du alle Beweise gesichert hast.
Wie sichere ich am besten Beweise bei Sextortion?
Mache Screenshots von allen relevanten Informationen: den Chatverläufen, den Droh-Mails, den Profilen der Täter und allen Links, die sie dir geschickt haben. Achte darauf, dass Datum und Uhrzeit auf den Screenshots sichtbar sind. Speichere diese Beweise an einem sicheren Ort, wie einem USB-Stick oder einer externen Festplatte, damit sie für die Polizei verfügbar sind und nicht verloren gehen.
Kann die Polizei die Täter bei Sextortion wirklich finden, wenn sie aus dem Ausland agieren?
Ja, auch wenn die Täter oft aus dem Ausland operieren, ist es für die Polizei wichtig, dass du Anzeige erstattest. Es gibt internationale Kooperationen und Ermittlungsverfahren, die es ermöglichen, Täter auch über Landesgrenzen hinweg zu verfolgen. Deine Anzeige und die gesicherten Beweise sind entscheidend, um die Ermittlungen überhaupt erst aufnehmen zu können und langfristig gegen die Kriminalität vorzugehen.
Welche rechtlichen Konsequenzen drohen den Tätern von Sextortion?
Täter von Sextortion können in Deutschland nach verschiedenen Paragraphen des Strafgesetzbuches belangt werden. Die Erpressung selbst ist nach § 253 StGB strafbar. Bei der Verbreitung intimer Aufnahmen kommt § 201a StGB (Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen) zum Tragen. Sind Minderjährige betroffen, greift § 184c StGB (Verbreitung, Erwerb und Besitz kinderpornographischer Schriften), was mit deutlich höheren Strafen verbunden ist.
Wo finde ich psychologische Unterstützung, wenn ich von Sextortion betroffen bin?
Es ist sehr wichtig, dass du dir psychologische Unterstützung suchst. Das Hilfe-Portal Sexueller Missbrauch bietet bundesweit Anlaufstellen und Beratung. Auch die Telefonseelsorge ist unter der kostenlosen Nummer 0800 111 0 111 rund um die Uhr erreichbar und bietet eine erste Möglichkeit, über deine Erfahrungen zu sprechen und Unterstützung zu erhalten.
Wie kann ich mich präventiv vor Sextortion schützen?
Der beste Schutz vor Sextortion ist Prävention. Teile niemals intime Fotos oder Videos mit Personen, die du nicht persönlich kennst und denen du nicht absolut vertraust. Sei skeptisch bei neuen Online-Kontakten, die schnell zu intimen Themen übergehen. Nutze die Privatsphäre-Einstellungen deiner sozialen Medien, um deine Profile zu schützen, und aktiviere die Zwei-Faktor-Authentifizierung für alle wichtigen Online-Konten.
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