Du überlegst, deinen Riester-Vertrag zu Riester kündigen? Für viele junge Erwachsene, die ihre Altersvorsorge neu bewerten, ist das eine wichtige Frage. Was oft als sicherer Baustein für die Rente beworben wurde, entpuppt sich heute manchmal als starres Korsett. Doch Vorsicht: Eine Kündigung kann teuer werden, da du staatliche Zulagen und Steuervorteile zurückzahlen musst. Bevor du eine Entscheidung triffst, solltest du genau prüfen, welche Optionen du hast und welche Konsequenzen eine Kündigung mit sich bringt.
- Eine Kündigung der Riester-Rente führt zur Rückzahlung aller staatlichen Zulagen und Steuerermäßigungen.
- Du behältst lediglich deine Eigenbeiträge und die damit erwirtschaftete Rendite.
- Die Alternative zur Kündigung ist oft eine Beitragsfreistellung, um Verluste zu minimieren.
- Ein Übertrag des Riester-Guthabens in einen anderen Riester-Vertrag ist möglich und förderschädlich.
- Die Auszahlung eines Riester-Vertrags mit 60 Jahren wird anders versteuert als eine förderschädliche Kündigung.
- Die Verbraucherzentrale bietet unabhängige Beratung zur Riester-Rente (Stand: Mai 2026).
Was ist Riester kündigen?
Riester kündigen bedeutet, deinen Riester-Vertrag vorzeitig zu beenden und das angesparte Kapital auszahlen zu lassen. Dies wird auch als förderschädliche Kündigung bezeichnet, da du die staatlichen Förderungen verlierst. Konkret musst du alle erhaltenen Zulagen (Grundzulage, Kinderzulage) sowie alle Steuerermäßigungen, die du durch Riester-Beiträge erhalten hast, an den Staat zurückzahlen (§ 92 EStG). Die Kündigung ist in der Regel schriftlich beim Anbieter einzureichen und wird mit einer Frist von sechs Wochen zum Monatsende wirksam, wie unter anderem Verivox berichtet (Stand: Mai 2026, verivox.de). Es ist ein Schritt, der gut überlegt sein sollte, da er finanzielle Nachteile mit sich bringt.
Wann ist eine Kündigung sinnvoll?

Eine Kündigung der Riester-Rente ist selten die beste Option, kann aber in bestimmten Ausnahmefällen in Betracht gezogen werden. Dies ist der Fall, wenn du absolut keine andere Wahl hast, um an Geld zu kommen, beispielsweise bei einer akuten finanziellen Notlage. Auch wenn du das Riester-Modell grundsätzlich für dich ablehnst und die hohen Kosten des Vertrags deine Rendite auffressen, kann eine Kündigung als letzter Ausweg erscheinen. Allerdings solltest du immer Alternativen wie die Beitragsfreistellung prüfen, um die Rückzahlungsforderungen zu vermeiden. Eine Kündigung ist insbesondere dann nicht sinnvoll, wenn du weiterhin von den staatlichen Förderungen profitieren möchtest oder dein Vertrag noch eine gute Rendite abwirft.
Was du zurückzahlen musst: Zulagen und Steuer
Wenn du deinen Riester-Vertrag kündigst, wird das Finanzamt aktiv. Du musst alle staatlichen Zulagen zurückzahlen, die du über die Jahre erhalten hast. Dazu gehören die Grundzulage (aktuell 175 Euro pro Jahr, Stand: 2026, Deutsche Rentenversicherung) und gegebenenfalls die Kinderzulage (185 Euro für vor 2008 geborene Kinder, 300 Euro für ab 2008 geborene Kinder). Auch die Steuerermäßigungen, die du durch Sonderausgabenabzug erhalten hast, werden vom Finanzamt zurückgefordert. Diese Rückforderungen können sich zu einer erheblichen Summe addieren und den Rückkaufswert deines Vertrags stark schmälern. Das Verwaltungsportal Hessen weist ebenfalls auf diese Rückzahlungspflichten hin (verwaltungsportal.hessen.de).
| Posten | Beschreibung | Rückzahlung bei Kündigung |
|---|---|---|
| Eigenbeiträge | Deine selbst eingezahlten Beiträge | Nein, diese bleiben erhalten |
| Staatliche Zulagen | Grundzulage, Kinderzulage | Ja, müssen komplett zurückgezahlt werden |
| Steuerermäßigungen | Vorteile durch Sonderausgabenabzug | Ja, müssen ebenfalls zurückgezahlt werden |
| Erwirtschaftete Rendite | Gewinne aus der Anlage der Eigenbeiträge | Ja, diese bleibt dir erhalten (nach Abzug von Kosten) |
Was du behältst: Eigenbeiträge und Rendite

Trotz der Rückzahlung von Zulagen und Steuervorteilen geht nicht alles verloren, wenn du deinen Riester-Vertrag kündigst. Du erhältst deine selbst eingezahlten Beiträge zurück. Hinzu kommt die Rendite, die diese Eigenbeiträge über die Laufzeit erwirtschaftet haben, abzüglich etwaiger Kosten und Gebühren des Vertrags. Es ist wichtig zu verstehen, dass der Rückkaufswert, den du bei einer Kündigung erhältst, oft deutlich unter dem ursprünglich eingezahlten Betrag liegt, wenn die Förderungen abgezogen werden. Daher ist es entscheidend, die genaue Höhe des Rückkaufswertes bei deinem Anbieter zu erfragen, bevor du eine Entscheidung triffst. Raisin betont, dass sich der Rückkaufswert für Sparer bei einer Kündigung verringert (raisin.com).
Alternative zur Kündigung: Beitragsfreistellung
Bevor du dich entscheidest, deinen Riester-Vertrag zu Riester kündigen, solltest du die Beitragsfreistellung als wichtige Alternative in Betracht ziehen. Bei einer Beitragsfreistellung zahlst du keine Beiträge mehr ein, der Vertrag bleibt aber bestehen. Das angesparte Guthaben bleibt erhalten und wird weiter verzinst oder angelegt. Der große Vorteil: Du musst die erhaltenen Zulagen und Steuervorteile nicht zurückzahlen, da der Vertrag nicht förderschädlich aufgelöst wird. Du verzichtest lediglich auf künftige Förderungen. Eine Beitragsfreistellung ist besonders sinnvoll, wenn du vorübergehend finanzielle Engpässe hast oder die Riester-Rente nicht mehr aktiv besparen möchtest, aber die Vorteile der bisherigen Förderung nicht verlieren willst. Finanztip empfiehlt, Riester-Verträge derzeit weder zu kündigen noch zu beenden, sondern eher beitragsfrei zu stellen (finanztip.de).
Riester übertragen statt kündigen
Eine weitere Option, bevor du deinen Riester-Vertrag kündigst, ist der Übertrag zu einem anderen Anbieter. Wenn du mit deinem aktuellen Riester-Anbieter unzufrieden bist – beispielsweise wegen hoher Kosten, schlechter Rendite oder mangelndem Service – kannst du das angesparte Riester-Guthaben zu einem neuen Riester-Vertrag bei einem anderen Anbieter übertragen. Dieser Vorgang ist in der Regel förderunschädlich, das heißt, du behältst deine staatlichen Zulagen und Steuervorteile. Allerdings können bei einem Übertrag Kosten anfallen, die du bei deinem alten und/oder neuen Anbieter erfragen solltest. Ein Übertrag kann sich lohnen, wenn du einen kostengünstigeren oder renditestärkeren Vertrag findest und somit langfristig mehr aus deiner Riester-Rente herausholen kannst.
Auszahlung mit 60: Die reguläre Option
Die Riester-Rente ist primär für die Auszahlung im Rentenalter konzipiert. Die reguläre Auszahlung beginnt frühestens mit dem 60. Lebensjahr, wenn du deinen Vertrag nach dem 1. Januar 2012 abgeschlossen hast, oder mit dem 62. Lebensjahr bei Vertragsabschluss vor 2012. Bei dieser Form der Auszahlung musst du die erhaltenen Zulagen und Steuervorteile nicht zurückzahlen. Stattdessen wird die gesamte Riester-Rente im Rentenalter nachgelagert besteuert, das heißt, du zahlst Steuern auf die gesamte ausgezahlte Summe (Eigenbeiträge, Zulagen und Rendite). Dieser Besteuerungszeitpunkt ist oft vorteilhaft, da dein persönlicher Steuersatz im Rentenalter in der Regel niedriger ist als während des Arbeitslebens. Daher ist die reguläre Auszahlung mit 60 oder 62 Jahren aus steuerlicher Sicht meist die deutlich bessere Option, als deinen Riester-Vertrag förderschädlich zu Riester kündigen.
Riester vs. ETF nach Kündigung: Eine Rechnung
Wenn du überlegst, deinen Riester-Vertrag zu Riester kündigen, um das Geld stattdessen in ETFs anzulegen, solltest du eine genaue Rechnung aufstellen. Angenommen, du hast über 10 Jahre jährlich 2.100 Euro in Riester eingezahlt (davon 175 Euro Grundzulage) und zusätzlich 500 Euro Steuervorteil erhalten. Deine Eigenbeiträge wären 1.425 Euro pro Jahr (2.100 – 175 – 500). Nach 10 Jahren hättest du 14.250 Euro Eigenbeiträge und 1.750 Euro Zulagen angespart. Bei einer Kündigung müsstest du die 1.750 Euro Zulagen und 5.000 Euro Steuervorteil zurückzahlen. Dein verbleibendes Guthaben (Eigenbeiträge + Rendite) wäre dann die Basis für eine ETF-Anlage. Ein ETF-Sparplan bietet potenziell höhere Renditen und mehr Flexibilität, ist aber auch mit höheren Risiken verbunden und es entfallen die staatliche Förderung sowie die Steuervorteile. Eine detaillierte Simulation kann hier Klarheit schaffen.
🛡️ Verbraucher-Check (Was bedeutet das für dich?)
Wenn du jung bist und überlegst, deinen Riester-Vertrag zu beenden, ist die Kündigung fast immer der teuerste Weg. Die Rückzahlung von Zulagen und Steuervorteilen frisst oft einen Großteil deines angesparten Kapitals auf. Prüfe stattdessen eine Beitragsfreistellung oder einen Anbieterwechsel. So behältst du deine bisherigen Förderungen und kannst flexibler auf deine finanzielle Situation reagieren. Bei Unsicherheiten hilft die unabhängige Beratung der Verbraucherzentrale (verbraucherzentrale.de) oder ein Blick auf weitere Optionen zur private Altersvorsorge Jung.
Häufige Fragen (FAQ)
Wie viel Geld bekomme ich zurück, wenn ich meine Riester-Rente kündige?
Wenn du deinen Riester-Vertrag kündigst, erhältst du nur deine selbst eingezahlten Beiträge und die damit erwirtschaftete Rendite zurück. Alle staatlichen Zulagen (Grundzulage, Kinderzulage) und die erhaltenen Steuerermäßigungen musst du an den Staat zurückzahlen. Der genaue Betrag hängt von der Laufzeit deines Vertrags, der Höhe deiner Beiträge und der erhaltenen Förderungen ab. Es ist wichtig, den genauen Rückkaufswert vor einer Kündigung direkt bei deinem Riester-Anbieter zu erfragen.
Kann man Riester kündigen und auszahlen lassen?
Ja, du kannst deinen Riester-Vertrag jederzeit kündigen und dir das angesparte Guthaben auszahlen lassen. Dies wird jedoch als förderschädliche Kündigung bezeichnet. Das bedeutet, dass du alle staatlichen Zulagen und die Steuerermäßigungen, die du über die Jahre erhalten hast, zurückzahlen musst. Daher ist es in den meisten Fällen finanziell nachteilig, deinen Riester-Vertrag zu kündigen. Alternativen wie eine Beitragsfreistellung oder ein Anbieterwechsel sind oft die bessere Wahl, um Verluste zu vermeiden.
Ist es sinnvoll, seine Riester-Rente zu kündigen?
In den meisten Fällen ist es nicht sinnvoll, seine Riester-Rente zu kündigen. Die Rückzahlung der staatlichen Zulagen und Steuerermäßigungen führt zu erheblichen Verlusten. Eine Kündigung ist nur in absoluten Ausnahmefällen, wie einer akuten und unabweisbaren finanziellen Notlage, in Betracht zu ziehen. Wenn du unzufrieden mit deinem Vertrag bist oder keine Beiträge mehr zahlen möchtest, sind eine Beitragsfreistellung oder ein Anbieterwechsel oft die besseren Optionen, um die Vorteile der bisherigen Förderung zu erhalten.
Wie lange dauert die Riester-Auszahlung nach Kündigung?
Nachdem du deinen Riester-Vertrag gekündigt hast, dauert die Auszahlung des Rückkaufswertes in der Regel einige Wochen bis wenige Monate. Zuerst muss dein Anbieter die Kündigung bearbeiten und den genauen Rückkaufswert berechnen. Anschließend wird die Zentrale Zulagenstelle für Altersvermögen (ZfA) über die förderschädliche Kündigung informiert, um die Rückforderung der Zulagen und Steuervorteile zu veranlassen. Der Auszahlungsprozess kann sich daher etwas hinziehen, bis alle Formalitäten geklärt sind und der verbleibende Betrag auf dein Konto überwiesen wird.
Was bleibt übrig, wenn ich meine Riester-Rente kündige?
Wenn du deine Riester-Rente kündigst, bleiben dir nach Abzug der staatlichen Zulagen und Steuervorteile lediglich deine selbst eingezahlten Beiträge sowie die damit erwirtschaftete Rendite. Alle Förderungen, die du vom Staat erhalten hast, werden zurückgefordert. Das bedeutet, dass der Auszahlungsbetrag bei einer Kündigung oft deutlich niedriger ist als die Summe deiner Einzahlungen plus Zulagen. Dies ist der Hauptgrund, warum eine Kündigung in den meisten Fällen nicht empfehlenswert ist und stattdessen Alternativen wie die Beitragsfreistellung geprüft werden sollten.
Kann ich meine Riester-Rente kündigen ohne Verlust?
Eine förderschädliche Kündigung deiner Riester-Rente ist in der Regel nicht ohne Verlust möglich. Du musst dabei alle staatlichen Zulagen und erhaltenen Steuervorteile zurückzahlen. Der einzige Weg, Riester ohne diese Verluste zu beenden, ist die reguläre Auszahlung im Rentenalter (frühestens mit 60 oder 62 Jahren, je nach Vertragsbeginn). In diesem Fall werden die Auszahlungen nachgelagert versteuert, aber die Förderungen bleiben erhalten. Wenn du den Vertrag vorzeitig beenden möchtest, aber Verluste minimieren willst, ist die Beitragsfreistellung eine bessere Option als die Kündigung.
