⏱️ 8 Min Lesezeit | Aktualisiert: Juni 2026
Erstausstattung Wohnung – diese zwei Wörter stehen über jeder Umzugsliste, sobald der Mietvertrag für die erste eigene Bude unterschrieben ist. Zwischen Vorfreude und Panik liegt dabei oft nur ein Kassenzettel: Wer in der ersten Woche alles neu kauft, verbrennt schnell mehrere Tausend Euro – und merkt nach drei Monaten, was davon wirklich gebraucht wird. Dieser Ratgeber zeigt dir, was zur sinnvollen Grundausstattung gehört, womit du budgetmäßig rechnen musst und welche Ansprüche dir zustehen, wenn das Geld nicht reicht.
⚡ Quick-Take: Das Wichtigste in Kürze
- Realistisches Budget für die Grundausstattung: rund 2.500 bis 5.000 € – je nach Anteil an Gebrauchtkäufen deutlich weniger.
- Pflicht vor Kür: Bett, Kühlschrank, Licht und Waschgelegenheit zuerst – Deko, Sofa und Smart-Home können warten.
- Gebraucht und geschenkt spart oft mehr als die Hälfte; nur bei Matratze und Elektrogroßgeräten lohnt der genaue Blick.
- Wer Bürgergeld bezieht, hat Anspruch auf eine Erstausstattung der Wohnung als Zuschuss vom Jobcenter (§ 24 Abs. 3 SGB II).
Erstausstattung Wohnung: Was gehört wirklich dazu?
Erstausstattung meint die Grundausstattung, ohne die eine Wohnung nicht bewohnbar ist: Schlafplatz, Kühlmöglichkeit, Kochgelegenheit, Licht, Gardinen oder Rollos, das Nötigste fürs Bad und zum Putzen. Alles andere – vom Sofa bis zur Stehlampe im dritten Zimmer – ist Kür und darf in den ersten Monaten nach und nach dazukommen.
Diese Trennung ist der wichtigste Spartrick überhaupt: Wer beim Einzug nur die Pflicht kauft, hat Zeit, auf Angebote zu warten, gebraucht zu finden und herauszufinden, wie die Wohnung tatsächlich genutzt wird.
Budget: Womit musst du rechnen?
Neben der Einrichtung bindet schon der Einzug selbst viel Geld: Die Mietkaution darf bis zu drei Nettokaltmieten betragen (§ 551 BGB) – bei 600 € Kaltmiete sind das bis zu 1.800 €, die vor dem ersten Möbelkauf weg sind. Für die Grundausstattung selbst gelten folgende Richtwerte (Stand: Juni 2026, marktübliche Neupreise):
| Posten | Richtwert (neu) | Spar-Potenzial gebraucht |
|---|---|---|
| Bett + Matratze + Bettzeug | 400–800 € | Bettgestell gebraucht, Matratze eher neu |
| Kühlschrank | 200–400 € | hoch – auf Effizienzklasse achten |
| Waschmaschine | 300–500 € | hoch – Transport einplanen |
| Küchen-Grundausstattung (Topf, Pfanne, Geschirr) | 100–200 € | sehr hoch – Familie fragen |
| Tisch, Stühle, Kleiderschrank, Lampen | 400–900 € | sehr hoch |
| Bad, Putzzeug, Werkzeug-Basics | 100–200 € | mittel |
Macht in Summe grob 1.500 bis 3.000 € neu – plus Kaution, Umzug und doppelte Miete im Übergangsmonat landest du schnell bei 2.500 bis 5.000 €. Mit konsequentem Gebrauchtkauf lässt sich der Einrichtungsteil mehr als halbieren.
Checkliste: Raum für Raum durch die erste Wohnung
Küche: Kühlschrank, eine Kochstelle (falls keine Einbauküche vorhanden), ein Topf, eine Pfanne, scharfes Messer, Schneidebrett, Geschirr und Besteck für vier – mehr braucht es zum Start nicht. Schlafzimmer: Bett, Matratze, Lattenrost, Bettwäsche, Verdunkelung. Hier zuerst investieren – schlechter Schlaf ruiniert jede erste Arbeitswoche. Bad: Duschvorhang, Handtücher, Spiegel, Klobürste. Querschnitt: Lampen mit Leuchtmitteln (viele Wohnungen werden ohne übergeben!), Gardinen, Wäscheständer, Staubsauger oder Besen, Basiswerkzeug und eine Ordnerbox für Mietvertrag, Übergabeprotokoll und Zählerstände.
Wer lieber mit einer vollständigen Liste zum Abhaken arbeitet: Eine ausführliche Checkliste zur Erstausstattung findest du auf erstewohnung.com – dort ist Raum für Raum aufgeführt, was in der ersten Wohnung von Anfang an gebraucht wird und was warten kann.
Gebraucht und geschenkt: So sparst du am meisten
Möbel verlieren nach dem Kauf massiv an Wert – dein Vorteil. Kleinanzeigen-Portale, Verschenke-Gruppen, Sozialkaufhäuser und der Dachboden der Verwandtschaft decken einen Großteil der Liste ab, oft für ein Viertel des Neupreises oder gratis. Bei Elektrogroßgeräten lohnt der Blick auf Alter und Effizienzklasse: Ein geschenkter Stromfresser-Kühlschrank von 2008 kostet dich über die Stromrechnung mehr als ein günstiges, effizientes Neugerät. Ausnahme von der Gebraucht-Regel ist für viele die Matratze – aus Hygiene- und Komfortgründen oft die sinnvollste Neuanschaffung der ganzen Liste. Mehr Strategien für langlebige Käufe findest du in unserem Cluster Nachhaltiger Konsum.
Laufende Kosten nicht vergessen
Die Erstausstattung ist ein einmaliger Block – teurer wird auf Dauer, was monatlich abgebucht wird. Strom läuft beim Einzug automatisch über die Grundversorgung; ein Anbieterwechsel spart oft spürbar, wie die Verbraucherinformationen der Bundesnetzagentur zeigen. Der Rundfunkbeitrag von 18,36 € pro Monat (Stand: Juni 2026, Quelle: rundfunkbeitrag.de) gilt pro Wohnung – in der ersten eigenen Wohnung musst du dich selbst anmelden. Dazu kommen Internet sowie sinnvollerweise eine Haftpflichtversicherung; eine Hausratversicherung lohnt sich, sobald dein Hausstand mehr wert ist, als du locker ersetzen könntest – die Verbraucherzentrale hilft bei der Einschätzung, welche Policen du wirklich brauchst.
Wenn das Geld nicht reicht: Diese Ansprüche hast du
Wer Bürgergeld bezieht oder mit dem Auszug erstmals einen eigenen Haushalt gründet und bedürftig ist, hat Anspruch auf eine Erstausstattung für die Wohnung als gesonderte Leistung vom Jobcenter – geregelt in § 24 Abs. 3 SGB II. Wichtig: Den Antrag vor dem Kauf stellen, nicht hinterher. Auch Auszubildende und Studierende sollten Wohngeld und BAföG-Wohnpauschale prüfen, bevor teure Ratenkäufe die Lücke füllen. Bei der Antragstellung und bei Ablehnungen unterstützt die Verbraucherzentrale oder eine örtliche Sozialberatung kostenlos.
Häufige Fehlkäufe
Alles auf einmal, alles neu: Der Komplett-Einkauf in einer Möbelhaus-Tour ist der teuerste Weg – und produziert die meisten Fehlkäufe.
Deko vor Funktion: Kerzen, Poster und das dritte Kissen-Set sind gekauft, aber es fehlt eine Deckenlampe im Flur. Erst die Pflichtliste abarbeiten.
0-%-Finanzierung und «Jetzt kaufen, später zahlen»: Möbel auf Raten plus Kaution plus doppelte Miete ist die klassische Schuldenfalle beim Auszug. Wie du Ratenkäufe und BNPL-Angebote richtig einordnest, liest du in unserem Cluster Geld & Finanzen.
🛡️ Verbraucher-Check (Was bedeutet das für dich?)
Plane die Erstausstattung deiner Wohnung in zwei Stufen: Erst die Pflicht (Schlafen, Kühlen, Kochen, Licht), nach zwei bis drei Monaten die Kür – so bleibt dein Budget unter Kontrolle und Fehlkäufe bleiben aus. Rechne neben den Möbeln immer Kaution (max. drei Kaltmieten, § 551 BGB), Umzug und laufende Kosten wie den Rundfunkbeitrag ein. Wenn das Geld nicht reicht: Erstausstattungs-Zuschuss nach § 24 SGB II vor dem Kauf beim Jobcenter beantragen statt Ratenkredite aufzunehmen. Bei Fragen zu Verträgen, Versicherungen oder abgelehnten Anträgen hilft die Verbraucherzentrale (verbraucherzentrale.de) kostenlos; bei allem rund um Mietvertrag und Übergabe dein Mieterverein vor Ort (mieterbund.de, rund 80 € im Jahr).
Häufige Fragen (FAQ)
Was gehört zur Erstausstattung einer Wohnung?
Zur Erstausstattung der Wohnung gehört alles, was sie bewohnbar macht: Bett mit Matratze, Kühlschrank, Kochgelegenheit mit Grundgeschirr, Lampen, Gardinen oder Rollos, Bad-Basics, Putzzeug und Basiswerkzeug. Sofa, Deko und Zweitmöbel sind Kür und können später folgen.
Wie viel kostet die Erstausstattung für die erste Wohnung?
Als Richtwert: 1.500 bis 3.000 € für die Grundausstattung neu (Stand: Juni 2026), mit Kaution, Umzug und Übergangsmonat insgesamt 2.500 bis 5.000 €. Mit Gebrauchtkäufen, Geschenken und Verschenke-Börsen lässt sich der Einrichtungsanteil mehr als halbieren.
Zahlt das Jobcenter die Erstausstattung?
Ja, unter Voraussetzungen: Wer Bürgergeld bezieht oder bedürftig erstmals einen eigenen Haushalt gründet, kann eine Erstausstattung für die Wohnung als Zuschuss nach § 24 Abs. 3 SGB II erhalten. Wichtig ist, den Antrag vor dem Kauf zu stellen – nachträglich wird in der Regel nichts erstattet.
Was sollte ich neu kaufen und was gebraucht?
Gebraucht lohnt sich bei Möbeln, Geschirr, Lampen und Werkzeug fast immer. Bei Elektrogroßgeräten auf Alter und Stromverbrauch achten – alte Stromfresser werden über die Rechnung teuer. Die Matratze ist für viele die sinnvollste Neuanschaffung, aus Hygiene- und Komfortgründen.
Welche Versicherungen brauche ich für die erste Wohnung?
Am wichtigsten ist die private Haftpflichtversicherung – oft bist du bis zum Ende der ersten Ausbildung noch über die Eltern mitversichert, das solltest du prüfen. Eine Hausratversicherung lohnt sich, sobald dein Hausstand einen Wert erreicht, den du nicht problemlos ersetzen könntest.
Welche laufenden Kosten kommen mit der ersten Wohnung auf mich zu?
Neben Kaltmiete und Nebenkosten: Strom (Anbieterwechsel spart gegenüber der Grundversorgung), der Rundfunkbeitrag von 18,36 € pro Monat und Wohnung (Stand: Juni 2026), Internet sowie gegebenenfalls Versicherungen. Plane dafür realistisch 100 bis 200 € monatlich zusätzlich zur Miete ein.
