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Klarna, PayPal Later, Ratepay: Die BNPL-Falle für Gen Z

BNPL-Falle bei Klarna, PayPal Later, Ratepay: 45% der 18-25-Jährigen verzögern Zahlungen. Wie du SCHUFA-Einträge vermeidest und den Überblick behältst.

Bnpl falle – Erstes eigenes Konto (Symbolbild: Kostenloses Stock Foto zu #indoor, alltagsleben, angst)
Kurzantwort„Buy Now, Pay Later“-Dienste wie Klarna oder PayPal Later sind verlockend, bergen aber ein hohes Risiko. Die größte BNPL-Falle ist der Verlust des Überblicks über viele kleine Raten, was schnell zu Mahngebühren und einem negativen SCHUFA-Eintrag führen kann. Ab 2026 gelten durch eine neue EU-Richtlinie strengere Regeln zur Bonitätsprüfung, um dich besser zu schützen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Hohes Risiko für junge Leute: Laut einer SCHUFA-Studie von 2025 haben 45 % der 18- bis 25-Jährigen schon einmal eine BNPL-Zahlung verzögert.
  • Die Schulden-Spirale: Mehrere kleine BNPL-Käufe summieren sich schnell. Wer den Überblick verliert, rutscht durch Mahngebühren und Inkassokosten in die Schulden.
  • SCHUFA-Eintrag droht: Nach zwei schriftlichen Mahnungen darf der Anbieter eine unbezahlte Forderung an die SCHUFA melden, was deine Kreditwürdigkeit massiv beeinträchtigt.
  • Strengere Regeln ab 2026: Die neue EU-Verbraucherkreditrichtlinie zwingt BNPL-Anbieter ab November 2026 zu einer gründlichen Bonitätsprüfung vor dem Kauf.
  • Kostenlos nur bei Pünktlichkeit: BNPL ist für dich nur dann kostenfrei, wenn du die Rechnung fristgerecht bezahlst. Bei Ratenkauf-Optionen fallen oft hohe Zinsen an.

Was ist „Buy Now, Pay Later“ (BNPL) eigentlich?

Du kennst es bestimmt: Du bist im Online-Shop, die neuen Sneaker oder das Gaming-Headset sind nur einen Klick entfernt, aber das Geld auf dem Konto ist knapp. Genau hier kommt „Buy Now, Pay Later“ (BNPL) ins Spiel. Anbieter wie Klarna, PayPal („Später bezahlen“), Ratepay oder Afterpay bieten dir an, die Ware sofort zu erhalten, die Rechnung aber erst nach 14 oder 30 Tagen zu begleichen – oder die Summe in kleinen Raten abzustottern. Das Ganze wirkt auf den ersten Blick super bequem und kostenlos. Es fühlt sich nicht wie Schuldenmachen an, sondern wie eine smarte Zahlungsaufschiebung.

Psychologisch ist das ein cleverer Schachzug. Die Hürde zum Kauf sinkt massiv, weil der „Zahlschmerz“ in die Zukunft verschoben wird. Du bekommst sofort die Belohnung (das Produkt), während die Konsequenz (die Zahlung) erst später folgt. Genau diese Entkopplung von Kauf und Bezahlung ist der Kern der BNPL-Falle. Es verleitet dazu, mehr auszugeben, als man eigentlich hat, und den Überblick über die offenen Rechnungen zu verlieren. Was als kleiner, zinsloser Aufschub beginnt, kann sich schnell zu einem Berg aus Mahnungen und Gebühren entwickeln – ein Problem, das besonders junge Menschen im Studium oder am Anfang ihrer Karriere trifft, deren finanzielle Puffer oft klein sind.

Wie verdienen Klarna & Co. ihr Geld?

Wenn der Service für dich als pünktlicher Zahler kostenlos ist, wie machen die Unternehmen dahinter dann Milliardenumsätze? Das Geschäftsmodell von BNPL-Anbietern stützt sich auf zwei Haupteinnahmequellen, wobei eine für dich als Nutzer:in viel relevanter ist als die andere.

Die primäre Einnahmequelle sind die Händlergebühren. Für jeden Kauf, der über ihre Plattform abgewickelt wird, kassieren Klarna & Co. eine Provision vom Online-Shop. Diese liegt meist zwischen 2 % und 6 % des Kaufpreises. Warum zahlen Händler das? Weil Studien zeigen, dass das Angebot von BNPL die Kaufabbruchrate senkt und den durchschnittlichen Warenkorbwert erhöht. Kurz gesagt: Du kaufst eher und mehr, wenn du nicht sofort zahlen musst. Der Händler gibt also einen Teil seines Gewinns ab, um unterm Strich mehr Umsatz zu machen.

Die zweite, für dich aber gefährlichere Einnahmequelle, sind die Verbrauchergebühren. Diese fallen an, wenn du deine Rechnung nicht pünktlich bezahlst. Dazu gehören Mahngebühren, Verzugszinsen und die Kosten für Inkassounternehmen. Wählst du von vornherein eine Ratenzahlung („Finanzierung“), fallen oft hohe Sollzinsen an, die den Kauf erheblich verteuern. Während die Anbieter betonen, dass sie ihr Geld am liebsten von den Händlern nehmen, sind die Gebühren von säumigen Zahler:innen ein fester und lukrativer Bestandteil ihres Geschäfts. Das macht das „PayPal Later Risiko“ und die Gefahr von „Klarna Schulden“ so real.

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Bnpl falle. Foto: Mikhail Nilov / Pexels

Die unsichtbare Gefahr: So tappst du in die BNPL-Falle

Die eigentliche BNPL-Falle ist nicht der einzelne aufgeschobene Kauf. Es ist die Summe vieler kleiner, scheinbar harmloser Transaktionen. Ein T-Shirt für 20 €, eine Pizza für 15 €, ein Buch für 25 € – einzeln betrachtet kein Problem. Doch wenn du innerhalb eines Monats zehn solcher Käufe per BNPL tätigst, hast du plötzlich offene Rechnungen über 200 € oder mehr, die zu unterschiedlichen Zeitpunkten fällig werden. Hier den Überblick zu behalten, ist die größte Herausforderung.

Die Zahlen der SCHUFA-Studie „Risiko-Kompass 2025“ sind alarmierend: Fast die Hälfte (45 %) der jungen Erwachsenen zwischen 18 und 25 Jahren hat schon einmal eine BNPL-Frist verpasst. Jeder zweite BNPL-Nutzer gibt an, Schwierigkeiten zu haben, den Überblick über seine Ausgaben zu behalten. Das Problem ist die psychologische Entwertung des Geldes. Da kein Bargeld fließt und der Kontostand sich nicht sofort ändert, fühlt sich die Ausgabe nicht real an. Dieser Effekt potenziert sich, wenn du bei verschiedenen Shops einkaufst und die Rechnungen über unterschiedliche Anbieter wie Klarna, PayPal und Ratepay laufen. Jede App hat ihre eigenen Fristen und Benachrichtigungen. Schnell ist eine E-Mail im Spam-Ordner gelandet oder eine Push-Benachrichtigung übersehen – und schon beginnt die Mahn-Spirale.

Vom Zahlungsverzug zum SCHUFA-Eintrag: Ein teurer Weg

Was passiert, wenn du eine BNPL-Rechnung vergisst? Der Prozess ist standardisiert und kann schnell zu einem ernsthaften Problem für deine finanzielle Zukunft werden. Ein negativer SCHUFA-Eintrag kann dir den Weg zu einem fairen Handyvertrag, einer Mietwohnung oder einem späteren Autokredit verbauen. Deshalb ist es so wichtig, den Ablauf zu kennen.

Der Weg zum Negativeintrag läuft in der Regel so ab:

  1. Zahlungsfrist verpasst: Du übersiehst die Fälligkeit der Rechnung.
  2. Erste Mahnung: Der Anbieter schickt dir eine Zahlungserinnerung, oft noch ohne oder mit geringen Gebühren (ca. 1,20 € bis 2,50 €).
  3. Zweite Mahnung: Reagierst du nicht, folgt die zweite, deutlichere Mahnung. Spätestens jetzt werden Mahngebühren fällig.
  4. Meldung an die SCHUFA: Laut § 28a Bundesdatenschutzgesetz (BDSG) darf ein Unternehmen eine unbestrittene Forderung an eine Auskunftei wie die SCHUFA melden, wenn du als Schuldner:in nach Eintritt der Fälligkeit mindestens zweimal schriftlich gemahnt wurdest. Zwischen der ersten Mahnung und der Übermittlung müssen mindestens vier Wochen liegen.
  5. Inkasso: Parallel oder kurz danach wird die Forderung an ein Inkassounternehmen übergeben. Dessen Gebühren treiben die ursprüngliche Summe oft um 50 € bis 100 € oder mehr in die Höhe.

Ein einzelner vergessener Kauf von 30 € kann so schnell zu einer Forderung von über 100 € anwachsen und zusätzlich deine Kreditwürdigkeit für die nächsten drei Jahre ruinieren. Mehr Details dazu, wie so etwas abläuft und was du tun kannst, findest du in unserem Ratgeber zum Thema erster SCHUFA-Eintrag.

Stoppschild in Sicht: Die neue EU-Richtlinie ab 2026

Die Politik hat das wachsende Problem der Überschuldung durch „Buy Now, Pay Later“ erkannt. Bisher bewegten sich viele BNPL-Angebote in einer rechtlichen Grauzone, da sie oft nicht als klassische Kredite galten und somit nicht unter die strengen Regeln für Verbraucherdarlehen fielen. Das ändert sich bald grundlegend.

Im November 2023 hat die Europäische Union die neue Verbraucherkreditrichtlinie (CCD) verabschiedet, die die Mitgliedsstaaten bis November 2025 in nationales Recht umsetzen müssen und die ab November 2026 für alle gilt. Diese Richtlinie nimmt BNPL-Anbieter stärker in die Pflicht. Die wichtigste Änderung für dich: Anbieter werden verpflichtet, vor dem Abschluss eines BNPL-Vertrags eine ordnungsgemäße Kreditwürdigkeitsprüfung durchzuführen. Bisher reichte oft eine simple Adress- und Altersprüfung. Zukünftig müssen sie genauer hinschauen, ob du dir den aufgeschobenen Kauf auch wirklich leisten kannst – ähnlich wie bei einem richtigen Dispo- oder Ratenkredit.

Das bedeutet, dass es für Personen mit geringem oder unregelmäßigem Einkommen oder bereits negativen SCHUFA-Einträgen schwieriger werden könnte, BNPL zu nutzen. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) begrüßt diesen Schritt, da er den Verbraucherschutz stärkt und einer übermäßigen Verschuldung vorbeugt. Für dich ist das eine gute Nachricht: Der Staat zieht die Zügel an, um dich vor der BNPL-Falle zu schützen.

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Bnpl falle. Foto: www.kaboompics.com / Pexels

Praktische Tipps: So behältst du die Kontrolle

BNPL ist nicht per se schlecht. Richtig eingesetzt, kann es ein nützliches Werkzeug sein, um zum Beispiel eine unerwartete, aber notwendige Anschaffung zu überbrücken. Der Schlüssel liegt in der Disziplin und im bewussten Umgang. Hier sind vier konkrete Tipps, um nicht in die Falle zu tappen:

Tipp Umsetzung
1. Führe eine Liste Trage jeden BNPL-Kauf sofort mit Betrag und Fälligkeitsdatum in deinen digitalen Kalender ein. Richte dir zwei Tage vor Fälligkeit eine Erinnerung ein. Alternativ kannst du eine simple Notiz-App oder eine Excel-Tabelle nutzen. Hauptsache, alles ist an einem Ort.
2. Setze dir ein hartes Limit Lege eine persönliche Obergrenze fest. Eine gute Faustregel: Niemals mehr als drei BNPL-Rechnungen gleichzeitig offen haben. Sobald die dritte offen ist, wird der nächste Kauf erst getätigt, wenn eine der alten bezahlt ist.
3. Deaktiviere BNPL als Standard Viele Shops speichern deine bevorzugte Zahlungsart. Wenn du merkst, dass du zu oft zu BNPL greifst, wähle bewusst eine andere Methode (z.B. Lastschrift, Debitkarte) und speichere diese als neuen Standard. So musst du dich bei jedem Kauf aktiv für BNPL entscheiden.
4. Nutze bewusste Alternativen Die beste Methode, um Schulden zu vermeiden, ist, nur das Geld auszugeben, das man hat. Nutze für Online-Käufe deine Debitkarte oder ein Studentenkonto mit Guthaben. Das Geld wird sofort abgebucht, und du behältst jederzeit den vollen Überblick.

Häufige Fragen

Was ist BNPL?

BNPL steht für „Buy Now, Pay Later“ (Jetzt kaufen, später bezahlen). Es ist eine Zahlungsmethode, bei der du Waren sofort erhältst, die Rechnung aber erst nach einer bestimmten Frist (z. B. 30 Tage) oder in Raten begleichst. Anbieter wie Klarna, PayPal Later oder Ratepay übernehmen die Vorauszahlung an den Händler.

Bekomme ich einen SCHUFA-Eintrag bei Klarna?

Ja, das ist möglich. Wenn du deine Klarna-Rechnung auch nach wiederholter Mahnung nicht bezahlst, kann Klarna diese unbezahlte Forderung an die SCHUFA melden. Ein solcher negativer Eintrag verschlechtert deine Kreditwürdigkeit erheblich und bleibt in der Regel drei Jahre lang bestehen.

Wann ist BNPL gefährlich?

BNPL wird gefährlich, wenn du den Überblick über deine offenen Rechnungen verlierst. Mehrere kleine Käufe summieren sich schnell zu einem großen Betrag. Wenn du dann Zahlungsfristen verpasst, drohen Mahngebühren, Inkassokosten und ein negativer SCHUFA-Eintrag, was in einer Schuldenfalle enden kann.

Was kostet BNPL bei pünktlicher Zahlung?

Für dich als Käufer:in ist die Standard-BNPL-Option (z.B. „Kauf auf Rechnung in 30 Tagen“) bei pünktlicher Zahlung in der Regel komplett kostenlos. Die Kosten trägt der Händler in Form einer Provision. Gebühren und Zinsen fallen für dich nur an, wenn du zu spät zahlst oder dich für eine Ratenkauf-Option mit Zinsen entscheidest.

Was ändert sich 2026 bei BNPL?

Ab November 2026 tritt die neue EU-Verbraucherkreditrichtlinie in Kraft. Sie verpflichtet BNPL-Anbieter, vor jedem Kauf eine gründliche Kreditwürdigkeitsprüfung (Bonitätsprüfung) durchzuführen. Damit soll verhindert werden, dass Verbraucher:innen sich mit zu vielen aufgeschobenen Zahlungen finanziell übernehmen.

Fazit

„Buy Now, Pay Later“ ist eine bequeme Technologie, die den Online-Einkauf vereinfacht. Doch die Bequemlichkeit hat ihren Preis: das hohe Risiko, in die BNPL-Falle zu tappen. Die Verlockung, Konsumwünsche sofort zu erfüllen und die Bezahlung aufzuschieben, führt besonders bei jungen Menschen schnell zum Verlust der finanziellen Übersicht. Die Folge sind Mahngebühren, Inkassostress und im schlimmsten Fall ein ruinierter SCHUFA-Score, der dir bei wichtigen Lebensschritten wie der Wohnungssuche im Weg steht.

Sei dir des Risikos bewusst und nutze BNPL nur, wenn du absolut sicher bist, die Rechnung pünktlich bezahlen zu können. Führe Buch über deine Ausgaben und setze dir klare Limits. Die beste Strategie bleibt aber die einfachste: Gib nur Geld aus, das du bereits auf deinem Konto hast. So bleibst du finanziell unabhängig und auf der sicheren Seite.

Mehr Tipps für den sicheren Umgang mit Geld findest du in unserem großen Ratgeber-Bereich zum Thema Erstes eigenes Konto. Erfahre dort alles Wichtige rund um Finanzen für dein Erstes Mal als Verbraucher.

Redaktioneller Hinweis Dieser Artikel wurde von unserer Redaktion sorgfältig recherchiert. Du findest alle Quellen direkt im Text verlinkt. Mehr zu unserer Arbeitsweise erfährst du in unseren redaktionellen Standards.

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