Du stehst beim Arzt, und plötzlich bietet er dir eine „individuelle Gesundheitsleistung“ an – kurz IGeL. Das klingt erst mal gut, ist aber oft teuer und nicht immer sinnvoll. Als Redakteur für Gesundheit und Nachhaltigkeit bei JVD habe ich mich intensiv mit dem Thema IGeL-Leistungen beschäftigt. Es ist wichtig, dass du weißt, welche dieser Zusatzleistungen wirklich einen Mehrwert bieten und bei welchen du dein Geld lieber sparst. Denn am Ende geht es um deine Gesundheit und deinen Geldbeutel.
- IGeL sind Leistungen, die du selbst zahlen musst, da die Krankenkasse sie nicht übernimmt (Stand: April 2026).
- Der IGeL-Monitor des Medizinischen Dienstes (MDS) bewertet über 50 häufige IGeL-Leistungen nach Nutzen und Schaden.
- Viele Vitamin-Tests und allgemeine Check-ups sind oft überflüssig und wissenschaftlich nicht belegt.
- Bei Drängen des Arztes solltest du immer eine Bedenkzeit einfordern und dich bei der Verbraucherzentrale informieren.
- Für einige Krebsfrüherkennungsuntersuchungen wie den PSA-Test gibt es keine klare Empfehlung der Fachgesellschaften.
Was sind IGeL-Leistungen?
IGeL-Leistungen sind „individuelle Gesundheitsleistungen“, die Ärzte dir anbieten, aber nicht von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt werden. Das liegt daran, dass ihr Nutzen entweder nicht ausreichend wissenschaftlich belegt ist, sie nicht als medizinisch notwendig gelten oder über das gesetzlich vorgeschriebene Maß hinausgehen. Dazu gehören beispielsweise zusätzliche Vorsorgeuntersuchungen, Atteste ohne medizinische Notwendigkeit oder spezielle Laboruntersuchungen. Laut dem Bundesgesundheitsministerium (BMG) fallen auch bestimmte Reiseimpfungen oder kosmetische Behandlungen unter diese Kategorie. Es ist wichtig zu verstehen, dass dein Arzt dich über solche Leistungen aufklären muss, bevor du zustimmst. Die Kosten musst du dann selbst tragen.
Wer ist betroffen: IGeL-Leistungen für Studis und Berufseinsteiger

Als junger Mensch, ob du nun Studi bist, gerade deine Ausbildung machst oder im ersten Job steckst, bist du besonders anfällig für unnötige IGeL-Leistungen. Warum? Ärzte wissen, dass du vielleicht noch unsicher bist, was die Krankenkasse zahlt und was nicht. Oft sind die Angebote auf „zusätzliche Sicherheit“ oder „optimale Vorsorge“ ausgelegt, was bei jungen Menschen gut ankommt, die sich um ihre Gesundheit sorgen. Gerade bei Zahnärzten oder Gynäkologen werden häufig Zusatzleistungen angeboten, die du nicht unbedingt brauchst. Zum Beispiel spezielle Zahnreinigungen, die über das übliche Maß hinausgehen, oder zusätzliche Ultraschalluntersuchungen ohne medizinischen Grund. Es ist wichtig, dass du hier kritisch bleibst und dich nicht unter Druck setzen lässt. Deine gesetzliche Krankenkasse bietet dir bereits einen umfassenden Schutz, der alle medizinisch notwendigen Leistungen abdeckt. Mehr über die generellen Krankenkasse Leistungen 2026 kannst du in unserem Guide nachlesen.
Der IGeL-Monitor des MDS: Dein Wegweiser durch den Dschungel
Um dir bei der Entscheidung zu helfen, gibt es den IGeL-Monitor des Medizinischen Dienstes (MDS). Das ist eine unabhängige Plattform, die über 50 häufig angebotene IGeL-Leistungen wissenschaftlich bewertet. Sie prüfen, ob der Nutzen einer Leistung belegt ist, ob es mögliche Schäden gibt und wie hoch die Kosten sind. Die Bewertungen reichen von „positiv“ über „unklar“ bis „negativ“. Für dich ist das eine super Quelle, um schnell zu checken, ob das Angebot deines Arztes wirklich sinnvoll ist. Du kannst dort zum Beispiel nach „Glaukom-Früherkennung“ oder „PSA-Test“ suchen und dir die Bewertung ansehen, bevor du eine Entscheidung triffst. Das hilft dir, fundierte Entscheidungen zu treffen und unnötige Ausgaben zu vermeiden. Der IGeL-Monitor wird regelmäßig aktualisiert, sodass die Informationen immer auf dem neuesten Stand sind (Stand: April 2026).
Häufige IGeL-Leistungen im Check: Sinnvoll oder überflüssig?

Es gibt eine Vielzahl von IGeL-Leistungen, die dir in der Arztpraxis begegnen können. Nicht alle sind per se schlecht, aber viele sind wissenschaftlich nicht ausreichend belegt und daher oft überflüssig. Hier eine Übersicht gängiger IGeL-Leistungen und deren Bewertung:
| IGeL-Leistung | Beschreibung | Bewertung (IGeL-Monitor, Stand: April 2026) |
|---|---|---|
| PSA-Test | Früherkennung von Prostatakrebs | Tendenz unklar (Nutzen nicht eindeutig belegt) |
| Augeninnendruckmessung (Glaukom) | Früherkennung des Grünen Stars | Tendenz unklar (Nutzen gering, mögliche Schäden) |
| Vitamin-D-Spiegel-Bestimmung | Messung des Vitamin-D-Wertes im Blut | Tendenz negativ (meist ohne medizinischen Grund) |
| Ultraschall zur Eierstockkrebsfrüherkennung | Vaginaler Ultraschall bei Frauen | Tendenz negativ (Nutzen nicht belegt, unnötige Ängste) |
| Reiseimpfungen | Impfungen für Fernreisen (z.B. Hepatitis A/B) | Tendenz positiv (bei Bedarf, oft Teilleistung der Kasse) |
Krebsfrüherkennung: Nicht immer IGeL und oft Kassenleistung
Gerade bei der Krebsfrüherkennung gibt es viele Missverständnisse bezüglich der IGeL-Leistungen. Wichtig ist: Viele sinnvolle Früherkennungsuntersuchungen sind bereits Leistungen deiner gesetzlichen Krankenkasse und du musst sie nicht extra bezahlen. Dazu gehören zum Beispiel die jährliche Hautkrebsvorsorge ab 35 Jahren, die Darmkrebsfrüherkennung ab 50 Jahren oder die Mammographie zur Brustkrebsfrüherkennung für Frauen ab 50. Dein Arzt ist verpflichtet, dich darüber aufzuklären, welche Leistungen die Kasse zahlt. Ein Beispiel für eine umstrittene IGeL im Bereich Krebsfrüherkennung ist der PSA-Test zur Prostatakrebsfrüherkennung bei Männern. Der IGeL-Monitor bewertet dessen Nutzen als „unklar“, da er oft zu Überdiagnosen und unnötigen Biopsien führen kann, ohne die Sterblichkeit zu senken. Sprich immer mit deinem Arzt, welche Früherkennungsmaßnahmen für dich persönlich sinnvoll sind und von der Kasse übernommen werden.
Vitamin-Tests: Meist überflüssig und teuer
Ein häufiges Angebot unter den IGeL-Leistungen sind Vitamin-Tests, insbesondere die Bestimmung des Vitamin-D-Spiegels. Ärzte begründen dies oft mit allgemeinen Müdigkeitserscheinungen oder dem Wunsch nach „optimaler Versorgung“. Doch der IGeL-Monitor bewertet solche Tests in den meisten Fällen als „negativ“. Das liegt daran, dass ein Mangel oft nur bei Risikogruppen (z.B. älteren Menschen, Menschen mit bestimmten Erkrankungen) relevant ist und eine allgemeine Bestimmung ohne konkreten Verdacht selten einen Nutzen hat. Die Kosten für solche Tests können schnell mehrere Dutzend Euro betragen, ohne dass du einen tatsächlichen Mehrwert erhältst. Stattdessen ist eine ausgewogene Ernährung meist ausreichend, um deinen Vitaminbedarf zu decken. Bei konkretem Verdacht auf einen Mangel, zum Beispiel aufgrund von Symptomen, sind solche Tests natürlich medizinisch begründet und werden in der Regel von der Kasse übernommen.
Glaukom-Test: Sinnhaftigkeit umstritten
Die Augeninnendruckmessung zur Früherkennung des Grünen Stars (Glaukom) ist ebenfalls eine weit verbreitete IGeL-Leistung. Ärzte empfehlen sie oft, um frühzeitig Schäden am Sehnerv zu erkennen. Allerdings bewertet der IGeL-Monitor diese Leistung als „Tendenz unklar“ bis „negativ“. Der Grund: Ein erhöhter Augeninnendruck allein bedeutet nicht zwangsläufig, dass du ein Glaukom hast. Zudem kann die Messung ungenau sein und zu unnötigen Ängsten oder weiteren, teils invasiven Untersuchungen führen. Der tatsächliche Nutzen für die Früherkennung ist gering, da ein Glaukom oft erst in einem späteren Stadium durch andere Symptome auffällt. Wenn du Bedenken wegen deiner Sehkraft hast oder es in deiner Familie Glaukom-Fälle gibt, sprich das offen bei deinem Augenarzt an. Er kann dann entscheiden, ob eine Kassenleistung für dich infrage kommt oder ob zusätzliche Untersuchungen wirklich notwendig sind. Bei einem Arzt, der dir eine IGeL-Leistung aufdrängen will, solltest du immer kritisch sein.
Was tun, wenn der Arzt drängt? Deine Rechte bei IGeL-Leistungen
Es kann vorkommen, dass dein Arzt dir eine IGeL-Leistung sehr eindringlich anbietet. Lass dich nicht unter Druck setzen! Du hast das Recht, jede IGeL abzulehnen oder eine Bedenkzeit einzufordern. Dein Arzt muss dich umfassend über die Leistung, die Kosten und mögliche Alternativen aufklären. Er muss dir auch mitteilen, welche Leistungen von deiner Krankenkasse übernommen werden und warum die angebotene Leistung keine Kassenleistung ist. Bestehe auf einer schriftlichen Aufklärung und einem Kostenvoranschlag. Wenn du dich überrumpelt fühlst oder unsicher bist, sage einfach: „Ich möchte darüber nachdenken und mich informieren.“ Du kannst dich dann in Ruhe beim IGeL-Monitor oder der Verbraucherzentrale erkundigen. Wichtig: Du musst keine IGeL in Anspruch nehmen, um weiterhin gut von deinem Arzt behandelt zu werden. Eine Ablehnung darf keine negativen Auswirkungen auf deine weitere medizinische Versorgung haben. Falls du das Gefühl hast, dass dein Arzt dich unfair behandelt, kannst du dich an deine Krankenkasse oder die Verbraucherzentrale wenden.
Verbraucherzentrale: Deine Anlaufstelle bei Problemen mit IGeL-Leistungen
Wenn du Fragen zu IGeL-Leistungen hast, dich unter Druck gesetzt fühlst oder das Gefühl hast, eine unnötige Leistung bezahlt zu haben, ist die Verbraucherzentrale eine wichtige Anlaufstelle. Sie bietet unabhängige Beratung und kann dir helfen, deine Rechte durchzusetzen. Die Verbraucherzentralen haben oft Listen mit problematischen IGeL-Angeboten und können dich über aktuelle Fälle informieren. Du kannst dort auch prüfen lassen, ob die Rechnung für eine IGeL-Leistung korrekt ist, denn die Abrechnung muss nach der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) erfolgen. Scheue dich nicht, dort nachzufragen. Es ist dein gutes Recht als Patient, umfassend informiert zu sein und keine Leistungen zu bezahlen, die du nicht möchtest oder die keinen belegten Nutzen haben. Die Beratung ist in der Regel kostenlos oder mit einer geringen Gebühr verbunden, die sich aber schnell lohnt, wenn du dadurch unnötige Kosten vermeidest.
🛡️ Verbraucher-Check (Was bedeutet das für dich?)
Als junger Verbraucher solltest du IGeL-Leistungen immer kritisch hinterfragen. Viele Angebote versprechen mehr, als sie halten, und belasten unnötig deinen Geldbeutel. Informiere dich vorab beim IGeL-Monitor oder der Verbraucherzentrale, wenn dir eine Leistung angeboten wird. Dein Recht auf Aufklärung und Bedenkzeit ist hier dein stärkstes Werkzeug. Lass dich nicht unter Druck setzen und wähle bewusst aus, welche zusätzlichen Gesundheitsleistungen du wirklich in Anspruch nehmen möchtest.
Häufige Fragen (FAQ)
Was gehört alles zu IGeL-Leistungen?
Zu den IGeL-Leistungen gehören alle medizinischen Angebote, die nicht von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt werden. Das können zusätzliche Vorsorgeuntersuchungen wie spezielle Ultraschalluntersuchungen bei Frauen oder der PSA-Test bei Männern sein. Auch bestimmte Laborleistungen, die über das medizinisch Notwendige hinausgehen, oder Atteste, die nicht aus medizinischem Grund ausgestellt werden, fallen darunter. Reiseimpfungen, die nicht im Leistungskatalog der Kassen sind, oder kosmetische Behandlungen werden ebenfalls als IGeL abgerechnet. Es gibt eine breite Palette, daher ist es wichtig, dass du dich immer genau informierst, was dir angeboten wird und warum deine Krankenkasse es nicht zahlt.
Welche IGeL-Leistungen sind wirklich wichtig?
Die Frage, welche IGeL-Leistungen wirklich wichtig sind, lässt sich nicht pauschal beantworten, da es immer auf deine individuelle Situation ankommt. Generell sind die meisten IGeL-Leistungen, die vom IGeL-Monitor als „negativ“ oder „unklar“ bewertet werden, nicht unbedingt notwendig. Sinnvoll können beispielsweise bestimmte Reiseimpfungen sein, wenn du in Risikogebiete reist, oder sportmedizinische Untersuchungen, wenn du Leistungssport betreibst und dein Arzt dies empfiehlt. Wichtig ist, dass du immer den medizinischen Nutzen hinterfragst und dich nicht von Angst oder dem Wunsch nach „optimaler“ Vorsorge leiten lässt. Viele Leistungen, die wirklich wichtig sind, werden bereits von deiner Krankenkasse übernommen. Bei Unsicherheit hilft die Unabhängige Patientenberatung (UPD) weiter.
Welche IGeL-Leistungen gibt es beim Hausarzt?
Auch dein Hausarzt kann dir verschiedene IGeL-Leistungen anbieten. Dazu gehören oft erweiterte Check-ups, die über die gesetzliche Gesundheitsuntersuchung hinausgehen, oder spezielle Laboruntersuchungen, zum Beispiel zur Bestimmung des Vitamin-D-Spiegels oder anderer Mikronährstoffe. Auch Atteste für Sportvereine oder die Schule, die nicht aus medizinischem Anlass notwendig sind, werden als IGeL abgerechnet. Manchmal werden auch Beratungen zu bestimmten Gesundheitsthemen als IGeL angeboten, wenn sie nicht Teil der regulären Versorgung sind. Es ist wichtig, dass du bei solchen Angeboten genau nachfragst, warum sie dir empfohlen werden und ob sie wirklich notwendig sind. Viele dieser Leistungen sind, wie der IGeL-Monitor zeigt, oft ohne belegten Nutzen.
Wer bekommt das Geld für IGeL-Leistungen?
Das Geld für IGeL-Leistungen bekommt immer der Arzt oder die Arztpraxis, die die Leistung erbringt. Da diese Leistungen nicht von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen werden, zahlst du sie direkt aus eigener Tasche. Die Abrechnung muss dabei nach der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) erfolgen, was bedeutet, dass es bestimmte Sätze für die einzelnen Leistungen gibt. Dein Arzt muss dich vorab über die voraussichtlichen Kosten informieren und dir einen Kostenvoranschlag aushändigen. Es ist wichtig, dass du die Rechnung genau prüfst und bei Unklarheiten nachfragst. Die Einnahmen aus IGeL-Leistungen sind für viele Arztpraxen ein wichtiger zusätzlicher Verdienst, was die Motivation, sie anzubieten, erklären kann. Sei dir dessen bewusst und triff deine Entscheidung bewusst.
Sind IGeL-Leistungen in der privaten Krankenversicherung abgedeckt?
In der privaten Krankenversicherung (PKV) ist die Situation bei IGeL-Leistungen anders als in der gesetzlichen. Die PKV erstattet in der Regel alle medizinisch notwendigen Leistungen. Was als „medizinisch notwendig“ gilt, ist jedoch oft im Vertrag geregelt und kann je nach Tarif variieren. Viele Leistungen, die in der GKV als IGeL gelten, können in der PKV erstattungsfähig sein, wenn sie wissenschaftlich anerkannt und medizinisch begründet sind. Es ist wichtig, dass du deinen PKV-Vertrag genau prüfst oder bei deiner Versicherung nachfragst, bevor du eine IGeL in Anspruch nimmst. Manche Tarife bieten auch Zusatzleistungen an, die über das Standardmaß hinausgehen. Informiere dich immer vorab, um unerwartete Kosten zu vermeiden. Über die private Krankenversicherung für Selbstständige 2026 haben wir einen eigenen Artikel.
