Jedes Jahr landen in Deutschland Millionen Tonnen Lebensmittel im Müll. Das ist nicht nur eine enorme Ressourcenverschwendung, sondern auch ein ethisches und ökologisches Problem. Doch du kannst aktiv werden: Lebensmittel retten ist einfacher, als du denkst, und hilft dir dabei, Geld zu sparen und die Umwelt zu schützen. Von Apps wie Too Good To Go bis hin zu ehrenamtlichen Initiativen wie Foodsharing gibt es vielfältige Möglichkeiten, Lebensmittel vor der Tonne zu bewahren.
- In Deutschland werden jährlich rund 11 Millionen Tonnen Lebensmittel weggeworfen (Umweltbundesamt 2024).
- Apps wie Too Good To Go bieten Überraschungstüten ab 3,00 € für überschüssige Lebensmittel von Restaurants und Bäckereien an.
- Foodsharing ist eine kostenlose, ehrenamtliche Initiative, bei der Privatpersonen und Betriebe Lebensmittel teilen.
- Online-Shops wie Sirplus verkaufen gerettete Lebensmittel mit bis zu 50% Rabatt (Stand: April 2026).
- Das Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) ist kein Verfallsdatum – viele Produkte sind deutlich länger genießbar.
Was ist Lebensmittel retten?
Lebensmittel retten bedeutet, genießbare Lebensmittel vor der Entsorgung zu bewahren und sie einer sinnvollen Nutzung zuzuführen. Dies kann auf verschiedene Weisen geschehen: durch den Kauf von Restposten, die Weitergabe an andere Personen oder die Nutzung von Apps und Plattformen, die überschüssige Produkte vermitteln. Im Kern geht es darum, die immense Lebensmittelverschwendung zu reduzieren, die sowohl ökonomische als auch ökologische Schäden verursacht. Das Umweltbundesamt schätzt, dass in Deutschland pro Kopf und Jahr etwa 78 Kilogramm Lebensmittelabfälle anfallen (Stand: 2024), die größtenteils vermeidbar wären. Durch das Retten von Lebensmitteln kannst du aktiv einen Beitrag leisten, diesen Trend umzukehren.
Warum Lebensmittel retten wichtig ist
Die Gründe, warum du Lebensmittel retten solltest, sind vielfältig. Zum einen hat die Lebensmittelproduktion einen erheblichen Einfluss auf die Umwelt. Sie verbraucht große Mengen an Wasser, Energie und Land und ist mit Emissionen von Treibhausgasen verbunden. Wenn Lebensmittel weggeworfen werden, gehen all diese Ressourcen verloren. Zum anderen ist es eine Frage der Gerechtigkeit: Während in vielen Teilen der Welt Menschen Hunger leiden, werden hierzulande tonnenweise genießbare Produkte entsorgt. Auch finanziell lohnt sich das Lebensmittel retten, da viele gerettete Produkte zu reduzierten Preisen angeboten werden.
Apps und Plattformen zum Lebensmittel retten
Es gibt verschiedene digitale Helfer, die dir das Lebensmittel retten erleichtern. Hier sind die bekanntesten:
| Plattform | Konzept | Kosten |
|---|---|---|
| Too Good To Go | Restaurants, Bäckereien und Supermärkte bieten Überraschungstüten mit überschüssigen Lebensmitteln an. | Geringer Festpreis (oft ab 3,00 €) pro Tüte (Stand: April 2026). |
| Foodsharing | Ehrenamtliche Initiative zum Teilen von Lebensmitteln zwischen Privatpersonen und Betrieben. | Kostenlos (Stand: April 2026). |
| Sirplus | Online-Shop für gerettete Lebensmittel, die sonst entsorgt worden wären. | Reguläre Preise, oft mit Rabatt (bis zu 50% gegenüber UVP) (Stand: April 2026). |
| Motatos | Online-Supermarkt für überproduzierte, falsch verpackte oder kurz vor dem MHD stehende Produkte. | Reguläre Preise, oft mit Rabatt (Stand: April 2026). |
Too Good To Go: Essen retten per App
Die App Too Good To Go ist eine der bekanntesten Plattformen, um Lebensmittel zu retten. Hier kannst du Überraschungstüten mit überschüssigen Lebensmitteln von Restaurants, Bäckereien, Hotels und Supermärkten in deiner Nähe reservieren. Die Abholung erfolgt meist am Ende des Geschäftstages. Der Inhalt der Tüten variiert, aber du bekommst immer hochwertige Produkte zu einem stark reduzierten Preis. Das spart nicht nur Geld, sondern ist auch eine spannende Möglichkeit, neue Läden und Produkte zu entdecken. Gerade für Studierende ist das eine beliebte Methode, günstig an gutes Essen zu kommen.
Foodsharing: Kostenlos und ehrenamtlich
Foodsharing ist eine Initiative, die sich dem kostenlosen Teilen von Lebensmitteln verschrieben hat. Ehrenamtliche „Foodsaver“ holen überschüssige Lebensmittel bei Betrieben ab und verteilen sie in sogenannten „Fairteilern“ oder direkt an andere Mitglieder. Du kannst dich auf der Plattform registrieren und entweder selbst Lebensmittel anbieten oder welche abholen. Auch private Haushalte können hier ihre überschüssigen Lebensmittel teilen. Dieses Netzwerk basiert auf Vertrauen und Gemeinschaft und ist eine hervorragende Möglichkeit, aktiv gegen Lebensmittelverschwendung vorzugehen, ohne dafür bezahlen zu müssen.
Sirplus und Motatos: Lebensmittel retten online
Neben den Apps gibt es auch Online-Shops, die sich auf das Retten von Lebensmitteln spezialisiert haben. Sirplus bietet eine große Auswahl an Lebensmitteln, die aussortiert wurden, weil sie zum Beispiel ein abgelaufenes Mindesthaltbarkeitsdatum haben, eine beschädigte Verpackung oder aus Überproduktion stammen. Auch Motatos verfolgt ein ähnliches Konzept und verkauft Produkte, die sonst im Müll landen würden, zu reduzierten Preisen. Das ist besonders praktisch, wenn du keine Zeit hast, Läden aufzusuchen, und trotzdem nachhaltig einkaufen möchtest.
Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) und Verbrauchsdatum
Ein häufiger Grund für Lebensmittelverschwendung ist die Verwechslung von Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) und Verbrauchsdatum. Das MHD gibt an, bis wann ein Lebensmittel bei richtiger Lagerung seine spezifischen Eigenschaften wie Geschmack, Geruch und Konsistenz behält. Viele Produkte sind jedoch weit über dieses Datum hinaus genießbar, solange sie optisch und geruchlich unauffällig sind. Anders verhält es sich mit dem Verbrauchsdatum: Dieses findet sich auf leicht verderblichen Lebensmitteln wie Hackfleisch oder Fisch und muss unbedingt eingehalten werden, da hier ein Gesundheitsrisiko bestehen kann. Prüfe deine Lebensmittel daher immer mit deinen Sinnen, bevor du sie entsorgst.
Containern und rechtliche Aspekte
Das sogenannte „Containern“, also das Entnehmen von weggeworfenen Lebensmitteln aus Abfallcontainern von Supermärkten, ist rechtlich eine Grauzone. In Deutschland gilt der Inhalt von Containern als Eigentum des jeweiligen Geschäfts. Das Betreten des Supermarktgeländes außerhalb der Öffnungszeiten kann als Hausfriedensbruch gewertet werden, und die Entnahme der Lebensmittel als Diebstahl. Es gab zwar Initiativen, das Containern zu legalisieren, aber bisher ohne Erfolg. Daher solltest du dir der rechtlichen Risiken bewusst sein, wenn du diese Methode des Lebensmittel retten in Betracht ziehst. Die Verbraucherzentrale rät zu den legalen Alternativen wie Foodsharing oder Too Good To Go.
Tipps für den Alltag: Lebensmittel retten
Auch im eigenen Haushalt kannst du viel tun, um Lebensmittel zu retten:
- Richtig einkaufen: Plane deine Einkäufe und erstelle eine Liste, um Spontankäufe zu vermeiden. Kaufe nur, was du wirklich brauchst.
- Richtig lagern: Informiere dich über die optimale Lagerung verschiedener Lebensmittel, um ihre Haltbarkeit zu verlängern. Obst und Gemüse gehören oft in den Kühlschrank, Brot in einen Brotkasten.
- Reste verwerten: Werde kreativ beim Kochen und verwende Reste vom Vortag für neue Gerichte. Aus altem Brot lässt sich zum Beispiel Croutons oder Arme Ritter zaubern.
- Portionen anpassen: Koche nur so viel, wie du auch wirklich essen kannst, um unnötige Reste zu vermeiden.
🛡️ Verbraucher-Check (Was bedeutet das für dich?)
Als junge:r Verbraucher:in in Deutschland hast du viele Möglichkeiten, aktiv gegen Lebensmittelverschwendung vorzugehen. Nutze Apps wie Too Good To Go, um günstig an gute Lebensmittel zu kommen, oder engagiere dich ehrenamtlich bei Foodsharing. Achte auf das Mindesthaltbarkeitsdatum und vertraue deinen Sinnen, bevor du etwas wegwirfst. Das schont nicht nur deinen Geldbeutel, sondern leistet auch einen wichtigen Beitrag zum Umweltschutz.
Häufige Fragen (FAQ)
Wo kann ich Lebensmittel kostenlos retten?
Lebensmittel kannst du kostenlos über die Initiative Foodsharing retten. Hierbei handelt es sich um ein ehrenamtliches Netzwerk, das überschüssige Lebensmittel von Supermärkten, Bäckereien und Privatpersonen sammelt und über sogenannte „Fairteiler“ oder direkte Abholungen an Interessierte weitergibt. Du musst dich dafür auf der Foodsharing-Plattform registrieren und kannst dann nach Angeboten in deiner Nähe suchen. Es ist eine großartige Möglichkeit, kostenlos an genießbare Produkte zu kommen und aktiv etwas gegen Verschwendung zu tun.
Wo gibt es noch Rettertüten?
Rettertüten, oft auch als „Magic Bags“ bezeichnet, findest du hauptsächlich über die App Too Good To Go. Viele Bäckereien, Restaurants, Supermärkte und Cafés bieten darüber ihre überschüssigen Lebensmittel am Ende des Tages zu einem reduzierten Preis an. Die Verfügbarkeit und der Inhalt der Tüten variieren je nach Anbieter und Tag. Es lohnt sich, regelmäßig in der App nach Angeboten in deiner Umgebung zu schauen, um diese Möglichkeit zum Lebensmittel retten zu nutzen. Auch einige lokale Initiativen oder Märkte bieten solche Tüten an, oft beworben über soziale Medien oder Aushänge.
Wie heißt die App, um Lebensmittel zu retten?
Die bekannteste App, um Lebensmittel zu retten, heißt Too Good To Go. Sie verbindet dich mit Restaurants, Bäckereien und Supermärkten, die überschüssige Lebensmittel in Form von Überraschungstüten zu einem günstigen Preis anbieten. Eine weitere Plattform, die sich dem Lebensmittel retten widmet, ist Foodsharing, die jedoch eher als ehrenamtliches Netzwerk und weniger als klassische App funktioniert, aber ebenfalls digitale Tools zur Koordination nutzt. Es gibt auch regionale Apps oder lokale Initiativen, die sich dem Thema widmen, aber Too Good To Go hat die größte Reichweite in Deutschland.
Wo kriegt man Lebensmittel umsonst?
Lebensmittel bekommst du umsonst hauptsächlich über Foodsharing. Diese ehrenamtliche Organisation verteilt überschüssige, aber noch genießbare Lebensmittel, die von Betrieben oder Privatpersonen gespendet wurden. Die Verteilung erfolgt über „Fairteiler“ – öffentliche Kühlschränke oder Regale – oder durch direkte Übergaben. Auch bei manchen lokalen Tafeln oder sozialen Einrichtungen kannst du unter bestimmten Voraussetzungen kostenlose Lebensmittel erhalten. Das sogenannte „Containern“ ist zwar eine Möglichkeit, ist aber rechtlich problematisch und kann als Diebstahl oder Hausfriedensbruch gewertet werden.
Wie kann ich Lebensmittel retten, die kurz vor dem MHD stehen?
Lebensmittel, die kurz vor dem Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) stehen, sind oft noch einwandfrei genießbar. Um diese Produkte zu retten, kannst du sie als erstes selbst verbrauchen oder einfrieren, falls möglich. Eine weitere Möglichkeit ist, sie über Foodsharing anzubieten oder an Freunde und Nachbarn weiterzugeben. Online-Shops wie Sirplus oder Motatos haben sich darauf spezialisiert, solche Produkte zu verkaufen. Wichtig ist, immer die eigenen Sinne (sehen, riechen, schmecken) zu nutzen, um die Genießbarkeit zu prüfen.
Ist Lebensmittel retten von Discountern wie ALDI legal?
Das direkte „Containern“ von Lebensmitteln aus den Abfallcontainern von Discountern wie ALDI ist in Deutschland rechtlich nicht erlaubt. Es kann als Diebstahl angesehen werden, da die weggeworfenen Lebensmittel weiterhin Eigentum des Discounters sind. Zudem kann das Betreten des Geländes als Hausfriedensbruch gewertet werden, insbesondere außerhalb der Öffnungszeiten. Auch wenn das Ziel löblich ist, solltest du die legalen Wege wie die Nutzung von Apps wie Too Good To Go, die Lebensmittelrettung durch Ehrenamtliche bei Foodsharing oder den Einkauf bei Online-Retter-Shops wie Sirplus bevorzugen, um sicherzustellen, dass du keine Gesetze brichst.
