Der Strompreis im Mietshaus ist oft ein undurchsichtiges Thema, besonders für junge Mieter:innen. Viele denken, sie seien an den Vermieter oder einen bestimmten Anbieter gebunden. Doch das ist in den meisten Fällen ein Irrtum. Du hast als Mieter:in klare Rechte und viele Möglichkeiten, deine Stromkosten zu senken und deinen Anbieter frei zu wählen. In diesem Guide erklärt Mira Albrecht, wie du den Durchblick behältst und unnötige Ausgaben vermeidest.
- Jede Wohnung muss einen eigenen Stromzähler haben – du wählst deinen Anbieter selbst.
- Der Wechsel des Stromanbieters kann jährlich bis zu 30 % Ersparnis bringen (Quelle: Stiftung Warentest, 2025).
- Achte auf die Bonus-Falle: Neukundenrabatte gelten oft nur im ersten Jahr.
- Der Mieterstrom darf maximal 90 % des Grundversorgungstarifs kosten (Stand: April 2026, Quelle: Bundesnetzagentur).
- Die Verbraucherzentrale bietet kostenlose Energieberatung für Mieter an.
Was ist der Strompreis im Mietshaus?
Der Strompreis im Mietshaus bezieht sich auf die Kosten für den elektrischen Strom, den du als Mieter:in in deiner Wohnung verbrauchst. Es ist wichtig, zwischen dem sogenannten Wohnungsstrom und dem Hausstrom zu unterscheiden. Der Wohnungsstrom ist dein persönlicher Verbrauch, der über einen eigenen Zähler in deiner Wohnung erfasst wird. Den Anbieter dafür kannst du in der Regel frei wählen. Der Hausstrom hingegen bezieht sich auf den Stromverbrauch für allgemeine Bereiche wie Treppenhausbeleuchtung, Aufzüge, Heizungsanlagen oder die Außenbeleuchtung. Diese Kosten werden als Nebenkosten auf alle Mietparteien umgelegt und vom Vermieter über die Nebenkostenabrechnung abgerechnet.
Die Preisgestaltung für Wohnungsstrom variiert stark je nach Anbieter, Tarif und deinem individuellen Verbrauch. Im April 2026 lagen die durchschnittlichen Strompreise für Neukunden bei etwa 33 bis 34 Cent pro Kilowattstunde (kWh) für Netzstrom, während Mieterstrom, der oft direkt von einer PV-Anlage auf dem Dach des Hauses kommt, günstiger sein kann (Quelle: dachfuerdach.de). Das Verständnis dieser Unterscheidung ist der erste Schritt, um deine Stromkosten effektiv zu managen.
Deine Rechte als Mieter:in beim Strompreis im Mietshaus
Als Mieter:in in einem Mietshaus hast du klare Rechte, wenn es um deinen Stromverbrauch geht. Das Wichtigste zuerst: Jede einzelne Wohnung in einem Mehrparteienhaus muss mit einem eigenen Stromzähler ausgestattet sein. Das ist gesetzlich vorgeschrieben, damit dein individueller Verbrauch exakt erfasst werden kann und du nicht für den Verbrauch anderer Parteien aufkommst. Ohne einen eigenen Zähler könntest du theoretisch gezwungen sein, den Strom des Vermieters zu bezahlen, was in der Regel teurer ist.
Ein weiteres zentrales Recht ist die freie Wahl deines Stromanbieters. Sobald ein eigener Zähler vorhanden ist, kannst du deinen Strom bei jedem beliebigen Anbieter am Markt beziehen. Dein Vermieter darf dich hier nicht einschränken oder dir einen bestimmten Anbieter vorschreiben. Dieses Recht ist im Strommarktgesetz verankert und soll den Wettbewerb fördern, damit du von günstigeren Tarifen profitieren kannst. Wenn dein Vermieter dir den Strom direkt verkauft, spricht man vom sogenannten Mieterstrom. Auch hier gibt es klare Regeln, die dich schützen sollen (dazu mehr im nächsten Abschnitt).
Solltest du feststellen, dass du keinen eigenen Stromzähler hast oder dein Vermieter dir die Wahl des Anbieters verweigert, solltest du aktiv werden. Wende dich zunächst schriftlich an deinen Vermieter und fordere die Installation eines eigenen Zählers oder die Freigabe zur Anbieterwahl. Bleibt dies erfolglos, kann dir der Deutsche Mieterbund oder die Verbraucherzentrale weiterhelfen. Die Mitgliedschaft im Mieterbund kostet rund 80 € im Jahr und zahlt sich oft schon beim ersten Streit aus.
| Aspekt | Deine Rechte als Mieter:in |
|---|---|
| Eigener Stromzähler | Pflicht für jede Wohnung, um individuellen Verbrauch zu messen. |
| Freie Anbieterwahl | Du kannst deinen Stromanbieter frei wählen, wenn ein eigener Zähler vorhanden ist. |
| Mieterstrom | Der Preis darf maximal 90 % des Grundversorgungstarifs betragen (Stand: April 2026). |
| Abrechnung Hausstrom | Kosten für Hausstrom (Treppenhaus, Aufzug) sind in der Nebenkostenabrechnung aufzuführen. |
Mieterstrom: Was bedeutet das für dich?
Der Begriff Mieterstrom fällt immer häufiger, wenn es um den Strompreis im Mietshaus geht. Dabei handelt es sich um Strom, der in der Regel direkt auf dem Dach des Mietshauses, zum Beispiel durch eine Photovoltaik-Anlage, erzeugt und ohne Nutzung des öffentlichen Netzes an dich als Mieter:in geliefert wird. Das klingt erst einmal gut, da es oft umweltfreundlicher und günstiger sein soll als der klassische Netzstrom.
Für dich als Mieter:in gibt es dabei aber wichtige Regeln. Das Mieterstrommodell ist gesetzlich geregelt, um dich vor überhöhten Preisen zu schützen. Die Bundesnetzagentur legt fest, dass der Strompreis für Mieterstrom maximal 90 Prozent des in deinem Netzgebiet geltenden Grundversorgungstarifs betragen darf (Stand: April 2026). Das bedeutet, dein Vermieter darf dir den Mieterstrom nicht teurer verkaufen als der örtliche Grundversorger.
Zudem hast du auch bei Mieterstrom die Möglichkeit, jederzeit zu einem anderen Stromanbieter zu wechseln. Du bist nicht an den Mieterstrom gebunden, wenn du einen besseren oder passenderen Tarif findest. Sollte der Mieterstrom nicht ausreichen, um deinen gesamten Bedarf zu decken, wird der restliche Strom automatisch vom Netzbetreiber oder einem von dir gewählten Anbieter geliefert. Du bist also immer versorgt.
Ein Vorteil von Mieterstrom kann sein, dass er oft aus erneuerbaren Energien stammt und somit nachhaltiger ist. Zudem entfallen Netzentgelte, da der Strom direkt vor Ort verbraucht wird, was zu einem geringeren Preis führen kann. Laut einer Umfrage der Verbraucherzentrale möchten rund 80 % der Mieter:innen ihre Stromkosten senken und die Umwelt schützen, was das Mieterstrommodell attraktiv macht. Achte aber immer auf die Einhaltung der Preisobergrenze und behalte dir die Option des Wechsels offen.
Stromanbieterwechsel: So sparst du beim Strompreis im Mietshaus
Einer der effektivsten Wege, deinen Strompreis im Mietshaus zu senken, ist der regelmäßige Wechsel deines Stromanbieters. Viele junge Leute unterschätzen das Sparpotenzial, das hier schlummert. Der Strommarkt ist hart umkämpft, und Anbieter locken Neukunden oft mit attraktiven Boni und günstigen Tarifen. Ein jährlicher Vergleich und Wechsel kann dir laut Stiftung Warentest (2025) eine Ersparnis von bis zu 30 % bringen.
So funktioniert der Wechsel:
- Vergleichen: Nutze Online-Vergleichsportale wie Verivox oder Check24. Gib deinen jährlichen Stromverbrauch (kWh) und deine Postleitzahl ein. Achte dabei auf Tarife mit Preisgarantie und einer kurzen Vertragslaufzeit (max. 12 Monate).
- Bonus-Falle beachten: Viele Anbieter locken mit hohen Neukundenboni. Diese werden aber oft nur im ersten Vertragsjahr ausgezahlt. Nach 12 Monaten kann der Preis deutlich steigen. Setze dir einen Erinnerungstermin, um rechtzeitig vor Ablauf des ersten Jahres erneut zu vergleichen und gegebenenfalls zu wechseln.
- Kündigung: Dein neuer Anbieter übernimmt in der Regel die Kündigung bei deinem alten Versorger. Achte auf die Kündigungsfristen, die meist 4 bis 6 Wochen betragen.
- Zählerstand: Bei einem Wechsel wird dein aktueller Zählerstand benötigt. Notiere ihn am Tag des Wechsels und teile ihn dem alten und neuen Anbieter mit.
Es ist nicht der Vermieter verpflichtet, den günstigsten Stromanbieter zu nehmen. Es gilt das sogenannte Gebot der Wirtschaftlichkeit. Das bedeutet, dass der Vermieter auf ein angemessenes Kosten-Nutzen-Verhalten achten muss, jedoch nicht den billigsten Anbieter wählen muss, so Fachanwalt Heiko Vogt, der auch beim Deutschen Mieterbund berät (Stand: März 2023). Für deinen eigenen Wohnungsstrom bist du jedoch komplett frei in deiner Wahl.
Strom sparen im Alltag: Praktische Tipps
Neben dem Anbieterwechsel gibt es viele kleine und große Maßnahmen, mit denen du deinen Strompreis im Mietshaus aktiv beeinflussen kannst. Besonders in WGs oder der ersten eigenen Wohnung sind diese Tipps Gold wert:
- Geräte prüfen: Alte Kühlschränke, Waschmaschinen oder Trockner sind wahre Stromfresser. Achte beim Neukauf auf die Energieeffizienzklasse (mindestens A+++).
- Stand-by vermeiden: Viele Geräte verbrauchen auch im Stand-by-Modus Strom. Schalte Fernseher, Computer und Spielekonsolen komplett aus oder nutze Steckdosenleisten mit Schalter.
- LED-Beleuchtung: Ersetze alte Glühbirnen durch energieeffiziente LED-Lampen. Sie verbrauchen bis zu 90 % weniger Strom und halten deutlich länger.
- Richtig Waschen: Wasche deine Wäsche bei niedrigeren Temperaturen (30 statt 40 Grad). Das spart viel Energie. Nutze die Eco-Programme deiner Waschmaschine.
- Kühlschrank richtig nutzen: Stelle deinen Kühlschrank nicht direkt neben die Heizung und lass ihn nicht unnötig lange offen stehen. Regelmäßiges Abtauen verhindert zudem eine höhere Stromrechnung.
- Licht aus: Verlasse einen Raum, schalte das Licht aus. Klingt banal, wird aber oft vergessen.
Diese Maßnahmen mögen einzeln gering erscheinen, summieren sich aber über das Jahr zu einer beachtlichen Ersparnis. Ein bewusster Umgang mit Energie schont nicht nur deinen Geldbeutel, sondern auch die Umwelt.
Stromsperre: Was tun bei Zahlungsschwierigkeiten?
Wenn du Schwierigkeiten hast, deine Stromrechnung zu bezahlen, kann es schnell zu einer Stromsperre kommen. Das ist eine ernste Situation, die du nicht ignorieren solltest. Dein Stromanbieter darf dir den Strom nicht einfach so abstellen. Es gibt klare Regeln und Fristen, die er einhalten muss:
- Mahnungen: Dein Anbieter muss dich schriftlich mahnen und dir eine Frist zur Zahlung setzen.
- Androhung der Sperre: Die Sperre muss mindestens vier Wochen vorher schriftlich angedroht werden.
- Verhältnismäßigkeit: Die Sperre muss verhältnismäßig sein. Wenn du nur einen kleinen Betrag schuldest, darf der Strom nicht sofort abgestellt werden.
- Information über Hilfen: Der Anbieter muss dich auf Möglichkeiten zur Vermeidung der Sperre hinweisen, zum Beispiel auf Ratenzahlungen oder Beratungsstellen.
Solltest du eine Sperrandrohung erhalten, reagiere sofort. Nimm Kontakt zu deinem Stromanbieter auf und versuche, eine Lösung zu finden, zum Beispiel eine Ratenzahlung. Wenn das nicht klappt, wende dich an eine unabhängige Beratungsstelle. Die Verbraucherzentrale bietet kostenlose Energieberatung an und kann dir helfen, deine Rechte zu kennen und mit dem Anbieter zu verhandeln. Auch die Sozialberatungsstellen der Caritas oder Diakonie unterstützen dich bei Härtefällen und können dir bei der Beantragung von Hilfen beistehen. Eine Stromsperre ist keine Lösung und sollte unbedingt vermieden werden, da die Wiederanschaltkosten oft sehr hoch sind.
🛡️ Verbraucher-Check (Was bedeutet das für dich?)
Der Strompreis im Mietshaus kann für dich als junge:r Mieter:in eine echte Kostenfalle sein, wenn du deine Rechte nicht kennst. Prüfe unbedingt, ob du einen eigenen Stromzähler hast und nutze dein Recht auf freie Anbieterwahl. Ein jährlicher Vergleich und Wechsel bringt dir die größte Ersparnis. Scheue dich nicht, bei Problemen den Mieterbund oder die Verbraucherzentrale zu kontaktieren – diese Investition zahlt sich schnell aus. Auch kleine Sparmaßnahmen im Alltag summieren sich und entlasten dein Budget.
Häufige Fragen (FAQ)
Wie hoch ist der Stromtarif für ein Mehrfamilienhaus?
Der Stromtarif für ein Mehrfamilienhaus kann stark variieren. Für den Wohnungsstrom der einzelnen Mietparteien gelten die Tarife der jeweiligen Stromanbieter. Der Hausstrom, der für allgemeine Bereiche wie Treppenhausbeleuchtung oder Aufzüge verwendet wird, wird über die Nebenkosten abgerechnet. Mieterstrom, der direkt im Haus produziert wird, darf maximal 90 Prozent des örtlichen Grundversorgungstarifs betragen (Stand: April 2026, Quelle: Bundesnetzagentur). Ein Vergleich der Anbieter lohnt sich, um den besten Strompreis im Mietshaus zu finden.
Wie viel darf Mieterstrom kosten?
Der Preis für Mieterstrom ist gesetzlich gedeckelt. Er darf höchstens 90 Prozent des Preises betragen, den du im Grundversorgungstarif deines örtlichen Stromanbieters zahlen würdest (Stand: April 2026, Quelle: Bundesnetzagentur). Diese Regelung soll sicherstellen, dass Mieterstrom für dich immer günstiger ist als der Bezug über das öffentliche Netz. Dein Vermieter darf also keinen überhöhten Strompreis im Mietshaus für Mieterstrom verlangen. Achte darauf, dass diese Preisobergrenze eingehalten wird und vergleiche regelmäßig.
Ist der Vermieter verpflichtet, den günstigsten Stromanbieter zu nehmen?
Nein, dein Vermieter ist nicht verpflichtet, den absolut günstigsten Stromanbieter für den Hausstrom zu wählen. Es gilt das sogenannte Gebot der Wirtschaftlichkeit. Das bedeutet, er muss auf ein angemessenes Kosten-Nutzen-Verhältnis achten und darf keine unnötig hohen Kosten verursachen. Dies besagt Fachanwalt Heiko Vogt, der auch beim Deutschen Mieterbund berät (Stand: März 2023). Für deinen eigenen Wohnungsstrom hast du jedoch die freie Wahl und kannst jederzeit zum günstigsten Anbieter wechseln, um deinen Strompreis im Mietshaus zu optimieren.
Welche Nachteile hat das Mieterstrommodell?
Obwohl Mieterstrom viele Vorteile bietet, gibt es auch potenzielle Nachteile. Ein Nachteil kann sein, dass die Stromversorgung nicht immer zu 100 % über die hauseigene Anlage gedeckt werden kann. Bei geringer Sonneneinstrahlung oder hohem Verbrauch musst du zusätzlichen Strom aus dem öffentlichen Netz beziehen. Zudem kann die Abrechnung komplexer sein, wenn du sowohl Mieterstrom als auch Netzstrom beziehst. Achte auf transparente Verträge und die Einhaltung der gesetzlichen Preisobergrenze, um beim Strompreis im Mietshaus keine Nachteile zu erfahren.
Kann ich Strom an Mieter verkaufen ohne Mieterstrom-Modell?
Nein, das ist nicht ohne Weiteres möglich. Wenn du als Vermieter:in Strom an deine Mieter:innen verkaufen möchtest, musst du die Vorgaben des Mieterstrommodells einhalten. Dazu gehören die Einhaltung der Preisobergrenze und die Sicherstellung der freien Anbieterwahl für die Mieter:innen. Ein einfacher Weiterverkauf ohne die gesetzlichen Rahmenbedingungen ist nicht erlaubt und kann rechtliche Konsequenzen haben. Das Mieterstromgesetz soll dich als Mieter:in schützen und faire Bedingungen für den Strompreis im Mietshaus schaffen.
Was tun, wenn der Stromzähler im Mietshaus nicht pro Wohnung getrennt ist?
Wenn du keinen eigenen Stromzähler in deiner Wohnung hast, solltest du umgehend handeln. Ein eigener Zähler ist gesetzlich vorgeschrieben, damit dein individueller Verbrauch erfasst und abgerechnet werden kann. Fordere deinen Vermieter schriftlich auf, einen separaten Zähler zu installieren. Bleibt er untätig, wende dich an den Deutschen Mieterbund oder die Verbraucherzentrale. Sie können dich beraten und dir helfen, deine Rechte durchzusetzen, um einen fairen Strompreis im Mietshaus zu gewährleisten und nicht für den Verbrauch anderer aufzukommen.
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