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Die Buy Now Pay Later Schuldenfalle: Anbieter & Schutz für junge Leute

Buy Now Pay Later (BNPL) ist verlockend einfach, birgt aber für junge Menschen erhebliche Risiken. Tobias Krämer zeigt dir, wie du die Schuldenfalle erkennst und vermeidest.

unger Erwachsener prüft besorgt BNPL-Ratenzahlungen am Smartphone – Warnung vor Schuldenfalle 2026

[jvd_quicktake]Buy Now Pay Later (BNPL) ermöglicht dir, online bestellte Waren sofort zu erhalten und später zu bezahlen. Die Buy Now Pay Later Schuldenfalle entsteht oft durch den Verlust des Überblicks bei mehreren Anbietern. Mahngebühren ab 1,20 € summieren sich schnell, und ein negativer Schufa-Eintrag droht bereits nach wenigen Mahnungen, der dann drei Jahre bestehen bleibt.[/jvd_quicktake]

Stell dir vor: Du siehst online etwas, das du unbedingt haben möchtest. Ein Klick, und schon ist es auf dem Weg zu dir – bezahlt wird erst in 30 Tagen oder in Raten. Diese Bequemlichkeit von Buy Now Pay Later (BNPL) birgt für viele die Gefahr einer Buy Now Pay Later Schuldenfalle. Aktuelle Zahlen der SCHUFA Holding AG zeigen, dass Ratenzahlungen aus Online-Käufen in den letzten Jahren immer häufiger zu negativen Einträgen geführt haben, besonders bei jungen Menschen unter 30 Jahren. Als Finanzredakteur Tobias Krämer beim Jugend-Verbraucher-Dialog zeige ich dir, welche Mechanismen dahinterstecken und wie du dich davor schützen kannst.

Was ist Buy Now Pay Later (BNPL) und welche spezifischen Gefahren birgt es für junge Leute?

Buy Now Pay Later, kurz BNPL, bedeutet übersetzt „Jetzt kaufen, später bezahlen“. Es ist eine Zahlungsoption, die dir ermöglicht, online bestellte Waren sofort zu erhalten, die Bezahlung aber auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben. Oft sind das 14, 30 oder 90 Tage, oder du kannst den Betrag in mehreren Raten begleichen. Der BNPL-Anbieter tritt dabei in Vorleistung und bezahlt den Händler direkt. Du schuldest den Betrag dann dem BNPL-Anbieter.

Der Mechanismus ist auf den ersten Blick bequem und scheinbar risikofrei, besonders für junge Menschen, die ihr Budget noch nicht fest im Griff haben. Doch genau diese Einfachheit birgt ein erhebliches BNPL Risiko:

  • Verlust des Überblicks: Wenn du bei mehreren Anbietern parallel einkaufst, kannst du schnell den Überblick über offene Beträge und Fälligkeitstermine verlieren.
  • Emotionale Käufe: Die sofortige Verfügbarkeit der Ware kann die Hemmschwelle für spontane oder unnötige Käufe senken.
  • Mangelnde Bonitätsprüfung: Viele BNPL-Anbieter führen oft nur eine sehr oberflächliche Bonitätsprüfung durch. Das kann den Zugang leicht machen, aber auch dazu führen, dass du dir mehr leistest, als du eigentlich kannst.
  • Kleine Beträge, große Wirkung: Einzeln mögen die Beträge gering erscheinen, in der Summe können sie sich schnell zu einer hohen Last addieren.

Nach Erfahrungen der Verbraucherzentralen führt diese Kombination dazu, dass viele Nutzer, wenn das Gehalt kommt, feststellen, dass es nicht für alle offenen BNPL-Rechnungen reicht. Das Ergebnis sind Mahngebühren und im schlimmsten Fall ein negativer Schufa-Eintrag, der dich langfristig einschränken kann.

Junge Person blickt gestresst auf Laptop und Smartphone, umgeben von Rechnungen und Kreditkarten.
Online-Shopping mit BNPL kann schnell zu einem Berg von Rechnungen führen, die den Überblick erschweren. (Foto: Ivan S / Pexels)

Gängige BNPL-Anbieter im DACH-Raum: Risiken im Detail

Nicht jeder BNPL-Anbieter ist per se „schlecht“, aber ihre Konditionen und Prozesse können unterschiedlich problematisch sein. Besonders riskant wird es, wenn Anbieter hohe Mahngebühren erheben, schnell die Schufa informieren und gleichzeitig keine gründliche Bonitätsprüfung durchführen. Wir haben die gängigsten Lösungen im DACH-Raum für dich beleuchtet. Achte bei diesen Anbietern besonders genau auf das Kleingedruckte:

Klarna „Später zahlen“ und „3 Raten“

Klarna ist der Marktführer und dir wahrscheinlich schon oft beim Online-Shopping begegnet. Die Optionen „Später zahlen“ (meist 14 oder 30 Tage) und „3 Raten“ sind weit verbreitet. Das Risiko liegt hier oft in der Menge der kleinen Käufe: Wenn du viele Dinge über Klarna kaufst, können die Mahngebühren (oft ab 1,20 € pro Mahnung, Stand: 2024) schnell zu zweistelligen Beträgen anwachsen. Ab der dritten Mahnung kann Klarna einen negativen Schufa-Eintrag melden, was deine Kreditwürdigkeit beeinträchtigt. Eine detaillierte Übersicht über Klarna Schulden und deren Folgen findest du beispielsweise bei Finanztip.

PayPal Ratenzahlung

Auch PayPal bietet eine Ratenzahlungsoption an, meist über drei Monate und auf den ersten Blick kostenfrei. Doch auch hier gilt: Zahlst du nicht pünktlich, können Mahngebühren anfallen. PayPal kann dann ein Mahnverfahren über eine Inkasso-Tochtergesellschaft einleiten und ebenfalls einen negativen Schufa-Eintrag veranlassen. Auch hier können die Ratenzahlung online Gefahren lauern, wenn du den Überblick verlierst.

Riverty (ehemals Afterpay)

Riverty ist oft der „unsichtbare“ BNPL-Anbieter im Hintergrund vieler Online-Shops. Du wählst vielleicht „Rechnungskauf“ und Riverty ist der Dienstleister. Bei Verzug fallen hier Mahngebühren (oft ab 1,20 €) plus Verzugszinsen an. Ein negativer Schufa-Eintrag kann bereits ab der zweiten Mahnstufe erfolgen, was vergleichsweise schnell ist.

Ratepay

Ähnlich wie Riverty agiert Ratepay im Hintergrund zahlreicher Online-Shops. Die BNPL-Option wird oft erst auf der Rechnung oder im Kleingedruckten sichtbar. Die Mahngebühren können hier bis zu 4 € betragen, und bei Nichtzahlung wird schnell ein Inkassoverfahren eingeleitet. Die fehlende Transparenz kann dazu führen, dass du den Anbieter erst spät wahrnimmst.

Cash App „Pay in 4“

Diese Option wird über eine App angeboten und bewirbt sich oft aggressiv. Ein häufiges Problem ist, dass Nutzer ihr Konto nicht ausreichend decken, wenn die Lastschrift fällig wird. Rückbuchungen können zusätzliche Gebühren von 7–9 € verursachen. Diese kleinen Gebühren summieren sich schnell und sind oft höher als die ursprüngliche Mahngebühr.

Apple Pay Later

Aktuell ist Apple Pay Later nur in den USA verfügbar, aber eine Einführung in Deutschland ist in Planung. Die Gefahr hierbei ist die tiefe Integration in das Apple-Ökosystem. Wenn du ohnehin ein iPhone nutzt und alle Zahlungen über Apple Pay abwickelst, kann die Hemmschwelle, auch diese Ratenzahlungsoption zu nutzen, drastisch sinken. Die Bequemlichkeit kann hier schnell zur Falle werden.

Branded BNPL (z.B. Zara Pay, H&M Pay Later, Otto Now)

Große Modehändler oder Versandhäuser bieten oft eigene BNPL-Lösungen an, die ihren Markennamen tragen. Dahinter stecken aber meist wieder bekannte Dienstleister wie Klarna oder Riverty. Das Problem: Der wahre Anbieter und seine Konditionen bleiben oft im Verborgenen. Du denkst, du kaufst bei H&M, nutzt aber unwissentlich einen externen Zahlungsdienstleister mit dessen spezifischen Risiken und Gebühren.

Warnzeichen: Bist du in der Buy Now Pay Later Schuldenfalle?

Es gibt klare Indikatoren, die dir zeigen können, dass du in die Buy Now Pay Later Schuldenfalle geraten bist oder kurz davor stehst. Sei ehrlich zu dir selbst und achte auf diese Warnzeichen:

  • Du nutzt BNPL bei mehr als zwei verschiedenen Anbietern gleichzeitig.
  • Du verlierst den Überblick darüber, welcher Betrag wann fällig wird.
  • Du nimmst neue BNPL-Käufe vor, um alte Rechnungen zu finanzieren (ein klassischer Teufelskreis).
  • Lastschriften platzen häufiger, auch bei kleineren Beträgen unter 50 €.
  • Du erhältst bereits die ersten Mahnschreiben oder sogar Inkasso-Briefe von BNPL-Anbietern.
  • Du hast ein schlechtes Gewissen oder Stress wegen deiner offenen Rechnungen.

Wenn du dich in einem oder mehreren dieser Punkte wiederfindest, kann es höchste Zeit sein, aktiv zu werden.

Schritt für Schritt aus der BNPL-Schuldenfalle: Dein Weg zurück

Keine Panik, wenn du merkst, dass du in der BNPL-Falle steckst. Es gibt Wege heraus. Hier ist eine Schritt-für-Schritt-Anleitung, die dir helfen kann:

  1. Verschaffe dir einen Überblick: Liste alle offenen BNPL-Beträge auf, sortiert nach Fälligkeit und Anbieter. Nutze dafür eine Tabelle oder eine App. Ignoriere keine Mahnungen!
  2. Kontaktiere deine Bank: Sprich mit deiner Bank über die Möglichkeit eines Dispositionskredits, um akute Mahnstufen oder Inkasso zu vermeiden. Ein Dispo ist in der Regel günstiger als Inkasso-Gebühren und Verzugszinsen, sollte aber nur als kurzfristige Überbrückung dienen.
  3. Vereinbare Ratenpläne: Nimm Kontakt zu den BNPL-Anbietern auf und bitte schriftlich um eine Ratenzahlungsvereinbarung. Viele sind bereit, dir entgegenzukommen, bevor die Sache an ein Inkassobüro übergeben wird.
  4. Priorisiere deine Zahlungen: Zahle zuerst die Rechnungen mit den höchsten Mahngebühren oder den kürzesten Fälligkeitsfristen.
  5. Stoppe neue BNPL-Käufe: Deaktiviere alle BNPL-Optionen in deinen Online-Konten und lösche die Apps. Versuche, nur noch das zu kaufen, was du sofort bezahlen kannst.
  6. Suche professionelle Hilfe: Wenn deine offenen BNPL-Schulden über 1.000 € liegen oder du das Gefühl hast, alleine nicht mehr herauszukommen, scheue dich nicht, eine kostenlose Schuldnerberatung für junge Leute aufzusuchen. Die Caritas, die Diakonie oder die Verbraucherzentralen bieten hier anonyme und kompetente Unterstützung an.

Schufa-Eintrag durch BNPL: Was du wissen musst und wie du ihn vermeidest

Viele junge Leute fragen sich: Führt jeder BNPL-Kauf sofort zu einem Schufa-Eintrag? Die Antwort ist in der Regel: Nein. Beim ersten oder auch bei pünktlich bezahlten BNPL-Käufen gibt es meist keine Meldung an die Schufa. Das ändert sich jedoch drastisch, sobald du eine Rechnung nicht fristgerecht bezahlst und mehrere Mahnstufen erreicht werden.

Die genauen Schwellenwerte variieren je nach Anbieter. Bei Klarna oder PayPal beispielsweise erfolgt die Meldung an die Schufa oft nach der zweiten oder dritten nicht reagierten Mahnung. Ein solcher Schufa Eintrag BNPL hat ernsthafte Folgen:

  • Deine Kreditwürdigkeit kann sich verschlechtern.
  • Es kann schwieriger werden, einen Handyvertrag abzuschließen, eine Wohnung zu mieten oder einen Kredit für größere Anschaffungen (z.B. ein Auto) zu bekommen.
  • Der Eintrag bleibt für mehrere Jahre (in der Regel drei Jahre nach Erledigung) in deiner Schufa-Akte sichtbar.

Daher ist es entscheidend, Mahnungen ernst zu nehmen und proaktiv Lösungen zu suchen, bevor ein negativer Eintrag deine finanzielle Zukunft belastet. Weitere Informationen zu Schufa-Einträgen findest du direkt auf den Seiten der SCHUFA Holding AG.

Person sitzt am Schreibtisch, organisiert Rechnungen und notiert Ausgaben in einem Notizbuch.
Ein klarer Überblick über deine Finanzen und ein Budgetplan schützen dich vor unnötigen Schulden. (Foto: www.kaboompics.com / Pexels)

Prävention ist der beste Schutz: Finanztipps für junge Erwachsene

Der beste Weg, der Buy Now Pay Later Schuldenfalle zu entgehen, ist Prävention. Hier sind einige Finanztipps für junge Leute, die dir helfen, verantwortungsvoll mit BNPL umzugehen oder es gar nicht erst zu brauchen:

  • Setze dir ein Budget: Lege monatlich fest, wie viel Geld du für Einkäufe ausgeben kannst und halte dich daran. Apps oder einfache Tabellen können dir dabei helfen.
  • Zahle nur mit Geld, das du hast: Die goldene Regel der Finanzen. Kaufe nichts auf Pump, wenn du nicht sicher bist, dass du es pünktlich zurückzahlen kannst.
  • Vermeide mehrere BNPL-Anbieter: Beschränke dich, wenn überhaupt, auf einen Anbieter und behalte dessen Konditionen und deine offenen Rechnungen genau im Blick.
  • Lies das Kleingedruckte: Informiere dich immer über die genauen Zahlungsbedingungen, Mahngebühren und Verzugszinsen, bevor du eine BNPL-Option wählst.
  • Nutze Alternativen: Spar lieber auf größere Anschaffungen oder nutze eine Debitkarte statt auf Kredit zu kaufen.
  • Baue einen Notgroschen auf: Lege Geld für unerwartete Ausgaben zurück. So musst du bei finanziellen Engpässen nicht auf BNPL zurückgreifen.

Häufige Fragen zur Buy Now Pay Later Schuldenfalle

Was genau ist Buy Now Pay Later (BNPL)?

Buy Now Pay Later bedeutet „Jetzt kaufen, später bezahlen“. Es ist eine Finanzierungsform, bei der du eine Ware oder Dienstleistung sofort erhältst, die Bezahlung aber auf einen späteren Zeitpunkt verschiebst oder in Raten aufteilst. Der BNPL-Anbieter zahlt den Händler direkt und du begleichst die Schuld dann beim Anbieter, oft zinsfrei für eine bestimmte Frist.

Welche Gefahren birgt BNPL für junge Leute?

Für junge Leute birgt BNPL das Risiko, schnell den Überblick über offene Beträge bei mehreren Anbietern zu verlieren. Die einfache Verfügbarkeit kann zu emotionalen Spontankäufen führen, die das Budget übersteigen. Eine oft mangelnde Bonitätsprüfung erleichtert den Zugang, was schnell in eine Buy Now Pay Later Schuldenfalle führen kann, da sich kleine Beträge schnell summieren.

Wann droht ein Schufa-Eintrag bei BNPL-Schulden?

Ein negativer Schufa-Eintrag droht in der Regel nicht beim ersten BNPL-Kauf. Er wird meist erst dann gemeldet, wenn Rechnungen nach mehreren Mahnungen (oft nach der zweiten oder dritten) nicht beglichen werden und der Anbieter das Mahnverfahren einleitet. Dieser Eintrag kann deine Kreditwürdigkeit für bis zu drei Jahre nach Erledigung beeinträchtigen.

Wie hoch sind die Mahngebühren bei BNPL-Anbietern?

Die Mahngebühren bei BNPL-Anbietern können variieren, beginnen aber häufig bei 1,20 € pro Mahnung, wie es beispielsweise bei Klarna üblich ist. Bei anderen Anbietern wie Ratepay können sie bis zu 4 € betragen. Zusätzlich können Verzugszinsen oder Gebühren für Rücklastschriften von 7–9 € anfallen, wenn dein Konto bei Fälligkeit nicht gedeckt ist.

Was kann ich tun, wenn ich den Überblick über meine BNPL-Rechnungen verloren habe?

Verschaffe dir schnellstmöglich einen Überblick über alle offenen Beträge und Fälligkeiten. Kontaktiere die jeweiligen BNPL-Anbieter proaktiv, um Ratenzahlungspläne zu vereinbaren, bevor die Forderungen an ein Inkassobüro übergeben werden. Priorisiere Zahlungen mit hohen Gebühren oder kurzen Fristen und stoppe alle neuen BNPL-Käufe.

Wo finde ich kostenlose Hilfe bei BNPL-Schulden?

Wenn du das Gefühl hast, alleine nicht mehr aus der BNPL-Schuldenfalle herauszukommen, kannst du dich an eine kostenlose Schuldnerberatung wenden. Anlaufstellen sind beispielsweise die Caritas, die Diakonie oder die Verbraucherzentralen in deiner Stadt. Diese bieten anonyme und kompetente Unterstützung an, um deine finanzielle Situation zu stabilisieren.

Fazit

Buy Now Pay Later ist eine bequeme Zahlungsoption, die aber bei unüberlegtem Gebrauch schnell zur Buy Now Pay Later Schuldenfalle werden kann. Wenn du die Risiken kennst und verantwortungsvoll damit umgehst – sprich: nie mehr als du dir leisten kannst und niemals neue Schulden zur Tilgung alter Schulden – ist BNPL kein Problem. Solltest du bereits in Schwierigkeiten stecken, kann es sich lohnen, umgehend Unterstützung zu suchen. Bei konkreten Fragen hilft dir die kostenlose Schuldnerberatung deiner Stadt oder die Verbraucherzentrale.

Redaktioneller Hinweis Dieser Artikel wurde von unserer Redaktion sorgfältig recherchiert. Du findest alle Quellen direkt im Text verlinkt. Mehr zu unserer Arbeitsweise erfährst du in unseren redaktionellen Standards.

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